Dignitas infinita ist der kraftvolle Ausdruck einer konsistenten Lebensethik im Sinne des Whole-Life-Ansatzes. Die menschliche Person ist von Beginn ihres Lebens an bis zu ihrem Tod Träger einer unbedingte – in der Terminologie des Schreibens einer grenzenlosen – Würde, die es zu jedem Zeitpunkt zu achten gilt, die aber auch zu jedem Zeitpunkt gefährdet ist.

An aktuellen Gefährdungen nennt das Schreiben Armut, Krieg, den Umgang mit Migranten und Behinderten, Menschenhandel, sexuellen Missbrauch, Gewalt gegen Frauen sowie Personen mit einer abweichenden sexuellen Orientierung, Abtreibung, Leihmutterschaft, Euthanasie und Beihilfe zum Selbstmord („assistierten Suizid“), die Todesstrafe, die Gender-Theorie und Geschlechtsumwandlungen sowie digitale Gewalt.

Dignitas infinita: Angriffe auf Leib, Leben und soziale Teilhabe als Bedrohungen der Würde der menschlichen Person

Die Würde der menschlichen Person ist dabei in äußerlich sehr unterschiedlichen Situationen auf durchaus sehr ähnliche Weise bedroht. Krieg, Gewalt gegen Frauen und Personen mit abweichender sexueller Orientierung, Abtreibung, Euthanasie und Beihilfe zum Selbstmord sowie die Todesstrafe bedrohen alle gleichermaßen das Leben von Menschen. In all diesen Situationen mahnt Dignitas infinita an, dass das Leben eines Menschen immer zu verteidigen ist, egal unter welchen Umständen. Es ihm zu nehmen ist dagegen immer ein schwerer Verstoß gegen seine Würde.

Die Würde gilt der menschlichen Person als Ganzer – also Leib und Seele – und nicht etwa nur der Seele (Nr. 18). Viele Gefährdungen der Würde der menschlichen Person treffen sich darin, dass sie die Würde des menschlichen Leibes angreifen.

Dies gilt gleichermaßen für Leihmutterschaft und Prostitution, die den menschlichen Leib zu einem Gebrauchsgegenstand anderer machen – selbst, wenn dies mit Zustimmung der betreffenden Person geschieht, da hier dann der eigenen Würde zuwider gehandelt wird (Stichwort: sittliche Würde) – aber gerade auch wenn dies ohne diese Zustimmung geschieht, wie bei sexuellem Missbrauch sowie bei allen Formen von Menschenhandel.

In die Kategorie Verletzung der Würde des menschlichen Leibes fallen ebenfalls Geschlechtsumwandlungen, sofern sie nicht darauf zielen „eine Person mit bereits bei der Geburt vorhandenen oder sich später entwickelnden genitalen Anomalien…zur Behebung dieser Anomalien“ (Nr. 60) zu verhelfen.

Dignitas infinita

In diesem Sinne stellt die Gender-Theorie eine geistige Bedrohung für die Würde des menschlichen Leibes dar. Auch hier geht es darum, den Leib nicht zu einer mental vom eigenen Selbst abgespaltenen Verfügungsmasse zu machen, die man nach eigenen Vorstellungen manipulieren kann.

Der Hinweis, dass genau dies auch bei künstlicher Verhütung geschieht, fehlt allerdings. Dafür wird deutlich gemacht, dass die technische Herstellung von Menschen – Stichwort künstliche Fortpflanzung – immer deren Würde verletzt (Nr. 49).

Ein Verstoß gegen die Würde der menschlichen Person ist es auch, Menschen gleiche Entwicklungsmöglichkeiten vorzuenthalten, sei es, dass man Armut duldet oder Migranten gleiche Teilhabemöglichkeiten vorenthält. Hierzu sind auch digitale Rufmord- und Mobbingkampagnen zu zählen, die Leib und Leben eines Menschen unangetastet lassen, aber auf den sozialen Tod zielen.

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