Heute begeht die katholische Kirche zum einhundertsten Mal das Christkönigsfest. Papst Pius IX. führte dieses Fest 1925 mit der Enzyklika Quas primas ein. Das Fest war eine direkte Antwort auf den Laizismus, die „Pest unserer Zeit…mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.“ (Quas primas 29)
Die Folgen des Laizismus beschreibt Pius XI. wie folgt und man kann durchaus in Zweifel kommen, ob das Geschriebene wirklich aus dem Jahr 1925 und nicht etwa aus dem Jahr 2025 stammt, so passend ist es für beide Zeiten:
„den weitverbreiteten Samen der Zwietracht, jenen verzehrenden Neid und jene aufgestachelten Eifersüchteleien unter den Völkern, die eine friedliche Wiederversöhnung noch weitgehend behindern; die Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen; und als Folgen dieser Unbeherrschtheit sowohl Streitigkeiten unter den Bürgern als auch jene blinde und schrankenlose Selbstsucht, die nur auf den eigenen Vorteil und Nutzen schaut und alles einzig danach bemißt. Der häusliche Friede ist durch Pflichtvergessenheit und Pflichtvernachlässigung völlig zerrüttet; die Einheit und die Beständigkeit der Familiengemeinschaft ist untergraben; die menschliche Gesellschaft selbst ist erschüttert und treibt dem Abgrunde zu.“
(Quas primas 30)
Und so hoffte Pius XI., dass das Fest einen Beitrag dazu leisten möge, dass „die Menschheit sich bald zu ihrem liebenswertesten Erlöser zurückfinden wird.“ (Quas primas 31)
100 Jahre später ist diese Hoffnung noch unerfüllt und so gilt auch heute noch der Aufruf aus Quas primas:
„Je mehr man bei internationalen Konferenzen und in den Parlamenten den liebreichsten Namen Unseres Erlösers mit ungebührlichem Schweigen übergeht, desto lauter müssen wir ihn in die Welt hineinrufen und die Rechte der königlichen Würde und Macht Christi überall verkünden.“
(Quas primas 32)
Das Ziel: die Staaten daran zu erinnern, „daß die Staatenlenker und Behörden, so gut wie die einfachen Bürger, die Pflicht haben, Christus öffentlich zu ehren und ihm Gehorsam zu leisten.“ (Quas primas 41)
Zwischen Skylla und Charbydis: das Christkönigsfest
In der Rezeptionsgeschichte des Christkönigsfestes gibt es dabei 2 Gefahren, zwischen denen das Kirchenschiff wie weiland Odysseus zwischen Skylla und Charbyis hindurchzukommen suchen muss.
Einmal jener Triumphalismus, vor dem dieser Tage Jan-Heiner Tück auf Communio warnte und der letztlich darin besteht, in Jesus Christus nur einen weiteren, nur eben weitaus mächtigeren, weltlichen Herrscher zu betrachten, der schlussendlich sein Königtum auch nur auf Zwang und Gewalt stützt, wie die Herren dieser Welt. Es ist eine Haltung, welche die Passion in einer Weise historisiert, dass sie uns so überhaupt gar nichts dazu zu sagen hat, wie Jesus Christus seine unweigerlich kommende Herrschaft zu errichten und auszuüben gedenkt. So gesehen ist es nichts anderes als ein neuer Verrat, eine neue Verleugnung durch seine Jünger, die auch nach 2000 Jahren noch immer Jesus Christus missverstehen, wie seine Apostel vor Passion und Auferstehung.
Zum anderen die Idee eines unpolitischen Königtums Jesu Christi, das zwar wünscht, privat in den Herzen der Gläubigen zu regieren, aber keinerlei Ansprüche auf Staat, Gesellschaft und Wirtschaft erhebt – diese vielmehr unberührt in ihrem durch die Sünde gefallenen Zustand belässt.
Dass dies nicht die Idee des Königtums Christi ist, wie es in Quas primas dargelegt ist, dürfte klar sein. Hier muss aber ebenso daran erinnert werden, dass auch Papst Franziskus in seiner letzten Enzyklika Dilexit nos in den Worten von Papst Johannes Paul II. darauf hinwies, „dass, wenn wir uns zusammen mit dem Herzen Christi hingeben, »auf den von Hass und Gewalt angehäuften Trümmern die so sehr ersehnte Zivilisation der Liebe errichtet werden kann, das Reich des Herzens Christi«.“ (Dilexit nos 182) Zum besseren Verständnis dieser Aussage fügt er hinzu:
„Der heilige Johannes Paul II. erklärte, dass die Wiederholung dieser Sünden gegen die Anderen oft dazu führt, dass sich eine „Struktur der Sünde“ verfestigt, die sich auf die Entwicklung der Völker auswirkt.Dies ist oft Teil einer vorherrschenden Denkweise, die als normal oder rational betrachtet, was in Wirklichkeit bloß Egoismus und Gleichgültigkeit ist. Dieses Phänomen kann man als soziale Entfremdung bezeichnen: »Entfremdet wird eine Gesellschaft, die in ihren sozialen Organisationsformen, in Produktion und Konsum, die Verwirklichung dieser Hingabe und die Bildung dieser zwischenmenschlichen Solidarität erschwert«.Es ist nicht nur eine moralische Norm, die uns dazu anhält, diesen entfremdeten Gesellschaftsstrukturen zu widerstehen, sie offenzulegen und eine soziale Dynamik zu fördern, die das Gute wiederherstellt und aufbaut, sondern es ist die »Bekehrung des Herzens«, welche die Pflicht verstärkt, solche Strukturen zu heilen. Es ist unsere Antwort auf das liebende Herz Jesu Christi, das uns zu lieben lehrt.“
(Dilexit nos 183)
Das Christkönigfest erinnert uns an unseren Auftrag, eine Zivilisation der Liebe, das Reich des Herzens Jesu aufzubauen, soziale Organisationsformen, welche Hingabe und die Bildung zwischenmenschlicher Solidarität fördern. Es geht nicht um Gewalt, Macht und Zwang. Es geht um die politische Liebe, von der Papst Franziskus in Fratelli tutti sprach (vgl. ebd., Nr. 176ff).
