Was bedeuten Commons und Commoning?

Commons kann in etwa mit Allmende ins Deutsche übersetzt werden. Hierzu zählen Felder, Wälder und Gewässer, die gemeinschaftlich bewirtschaftet werden, wie etwa auch im industrialisierten Westen im Rahmen der solidarischen Landwirtschaft, aber auch die Wikipedia oder Open Source Software, die von Anwendern weltweit kostenfrei genutzt und unentgeltlich weiterentwickelt wird, wie das Betriebssystem Linux; ja selbst Wohngebäude und Supermärkte können Commons sein, wie im Fall des in Freiburg im Breisgau entstandenen Mietshäuser Syndikats bzw. der Park Slope Food Coop in New York.

Commoning ist „selbstorganisiertes und bedürfnisorientiertes gemeinsames Produzieren, Verwalten, Pflegen und/oder Nutzen.“[1]Quelle: Wikipedia Commoning schafft und erhält Commons.

In Deutschland wird das Thema etwa vom Commons-Institut vorangetrieben. Eine gute Übersicht zum Thema bietet „Frei, Fair und lebendig – die Macht der Commons“ von Silke Helfrich und David Bollier.

Commoning ist eine Art des Wirtschaftens, die auf einer Philosophie der Verbundenheit aufbaut, die davon ausgeht, dass alles in der Welt miteinander verbunden ist. Das zu Grunde liegende Menschenbild ist personalistisch. Commoning ist eine Konkretisierung des Distributismus und eine Praxis, welche die allgemeine Bestimmung der Güter (vgl. Laudato si 158) unter Beachtung des Subsidiaritätsprinzips konkret erfahrbar macht.

Dabei folgt Commoning nicht der Logik der Aneignung, sondern jener der Übereignung und orientiert sich hinsichtlich der Konzeption von Arbeit am Muster der Hirtentätigkeit sowie hinsichtlich der menschlichen Beziehungen am Muster der Ehe.

Im Bestreben, Abhängigkeiten von Arbeitgebern, Produzenten und dem Staat zu reduzieren, ist sie Ausdruck einer ganzheitlichen Option für die Armen, der es nicht nur um die ökologisch verträgliche Überwindung materieller Not, sondern auch um die Überwindung seelischer Armut infolge von Vereinzelung und Konkurrenzdruck sowie um ein neues Verhältnis zur Natur selbst geht.

Commons, Commoning und das Lehramt der Kirche

Papst Benedikt XVI. hat in Caritas in Veritate 39 dem „Geben, um zu haben“ im Markt und dem „Geben aus Pflicht“ im Staat das unentgeltliche Geben der Zivilgesellschaft entgegengestellt und betont:

„Die exklusive Kombination Markt-Staat zersetzt den Gemeinschaftssinn. Die Formen solidarischen Wirtschaftslebens hingegen, die ihren fruchtbarsten Boden im Bereich der Zivilgesellschaft finden, ohne sich auf diese zu beschränken, schaffen Solidarität. Es gibt keinen Markt der Unentgeltlichkeit, und eine Haltung der Unentgeltlichkeit kann nicht per Gesetz verordnet werden.“
(CiV 39)

Hierum geht es im Commoning.

Die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom erhielt 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für das Aufzeigen, wie Commoning dauerhaft wirtschaftlich funktionieren kann.

Helfrich und Bollier fanden Muster, die wiederkehrend in langfristig bestehenden Commons auftreten und aus ihrer Sicht förderlich für deren Bestand sind.

Commoning

Commoning entsteht dezentral, wo Menschen sich entscheiden, Bedürfnisse dauerhaft gemeinschaftlich zu stillen. Entscheidend ist dabei, dass sowohl Produktion als auch Nutzung gemeinschaftlich erfolgen. Weitere Ziele sind die Förderung von Beziehungen und Gemeinschaft, die Erfahrung von Verbundenheit und Sinn, das Ausleben von Kreativität und das Erleben von Selbstwirksamkeit.

Politische Rahmenfestlegungen können die Entstehung von Commons sowohl fördern als auch behindern. Ein vom Ausbau der Lohnarbeit abhängiges System wie das unsrige wird allein aus Gründen der Selbsterhaltung tendenziell zu letzterem neigen.

References

References
1Quelle: Wikipedia