Lewis Mumford

Lewis Mumford, Autor von „Der Mythos der Maschine“,[1]Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978.  trägt zu unserer Frage – der Überwindung des technokratischen Paradigmas – als Technikhistoriker und Nichtchrist eine bereichernde Perspektive bei, weshalb sein Werk hier ebenfalls einer Untersuchung unterzogen wird. Sein Werk ist umso interessanter, da es nicht frei von antikatholischen Vorurteilen ist – und doch durch vielfältige Parallelen zu Alasdair MacIntyre, Andrew Willard Jones und Egon Edgar Nawroth überrascht.[2]Vgl. ebd., S. 299f, 322.

Mumford, der in seinem fast 900 Seiten starken Opus eine menschheitsgeschichtliche Perspektive einnimmt, vertritt die Auffassung, dass allen großen technologischen Umbrüchen Umbrüche in Religion und Politik vorausgingen und die größten technischen Errungenschaften der Menschheit immaterieller Natur seien – die Welt der Symbole im Allgemeinen und die Sprache im Besonderen. [3]Vgl. ebd., S. 27, 59. Vgl. hierzu Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative – How History is formed in the Dephts of the Peoples, übersetzt von Andrew Bernetsky mit Reuben Slife, hg. von Reuben … Continue reading

Lewis Mumford und Marx

So gesehen habe Karl Marx geirrt, „als er den materiellen Produktionsinstrumenten den zentralen Platz und die wegweisende Funktion in der menschlichen Entwicklung einräumte“.[4]Vgl. ebd., S. 14.

Lewis Mumford

Die geistigen Fähigkeiten machen den Menschen, wenn nicht räumlich, so doch auf eine sehr wesentliche Weise zum Zentrum des Universums. Die Natur gewinnt nach Mumford ihren Wert vom Menschen her, der Mensch wiederum lebe von der Vielfalt, die er vorfinde und vermehre.[5]Vgl. ebd., S. 14.

In Mumfords Darstellung erweist sich der Hobbessche Leviathan als eine Erfindung der Bronzezeit mit dem „Sklavenhaus Ägypten“ als seinem Prototyp. Dieser löste das jungsteinzeitliche Dorf ab, das nichtsdestotrotz bis fast in die Gegenwart die global dominante Lebensform blieb und nach Mumfords Einschätzung die menschengemäßere Lebensweise gegenüber der städtischen Zivilisation ist, dabei jedoch ihre eigenen Schwächen hat(te).

Beiden Sozialformen entspricht eine je spezifische Technik, die Mumford als demokratische bzw. Polytechnik und als autoritäre bzw. Monotechnik bezeichnet. Erstere blühte bis in das 18. Jahrhundert und wurde seither immer stärker durch letztere verdrängt. Die gegenwärtige ökologische und soziale Krise ist eine direkte Folge dieser Entwicklung.

Gegen den bronzezeitlichen Leviathan formierte sich – konzentriert in der Achenzeit – ein vielfältiger Widerstand, der in Europa in die subsidiäre Zivilisation des Mittelalters mündete und dessen verschiedene Formen in biblischer Sprache ausgedrückt als Exodus-, Jeremia-, Amos-, Nehemia 1/2- sowie Makkabäer-Option bezeichnet werden können. 

Das Zerstörungspotential der modernen Megamaschine macht für Mumford eine Umkehr nötig, die er aber auch für möglich hält. Hier setzte er insbesondere auf den Aufstieg eines neuen Weltbildes sowie Einzelpersonen und kleine Gruppen, die hieraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Dieses Weltbild, das Mumford als das organische bezeichnet und aus den Erkenntnissen der Biologie der letzten – zu seiner Zeit – ca. 100 Jahre ableitet, erweist sich bei näherer Betrachtung als im Wesentlichen identisch mit dem alten, aristotelischen Weltbild. Die nötigen Konsequenzen bestehen letztlich in nichts weniger als einer aristotelischen  Bildungs-und Erziehungsreform, die bei jedem einzelnen ihren Anfang nimmt.

In diesem Sinne fordert Mumford eine Abkehr von der Machtfixierung des mechanistischen Zeitalters und eine Hinwendung zu einer Fülle, die im Sinne aristotelischer eudaimonie zu begreifen ist.

Dies verlangt eine Änderung unserer Lebensweise. Als Punkte nennt Mumford hier unter anderem:

– Gleichgültigkeit gegenüber materiellen Anreizen

– Verzicht auf Selbstreklame

– Vielseitige Interessen

– Bewusste Verlangsamung des industriellen wie intellektuellen Produktionstempos

– neuerliche Konzentration auf die höheren Funktionen des Menschen und auf kulturelle Werte

– aktive Bekämpfung der Macht

– Befreiung von der lebenslangen Bindung an eine einzige Beschäftigung

References

References
↑1Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978.
↑2Vgl. ebd., S. 299f, 322.
↑3Vgl. ebd., S. 27, 59. Vgl. hierzu Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative – How History is formed in the Dephts of the Peoples, übersetzt von Andrew Bernetsky mit Reuben Slife, hg. von Reuben Slife, New Polity Press Steubenville Ohio USA 2025, S. 220.
↑4Vgl. ebd., S. 14.
↑5Vgl. ebd., S. 14.