Kontemplativer Realismus oder die Frage: Was ist real?

Der US-amerikanische Schriftsteller und Literatuwissenschaftler Joshua Hren hat den Begriff kontemplativer Realismus geprägt. Was versteht er darunter und inwiefern ist das relevant für eine ganzheitliche Ökologie?Hren beginnt sein gleichnamiges Manifest mit der Feststellung: Literatur fragt: Was ist real? Der Antworten gäbe es viele, je nachdem, was man für real halte. So zitiert er Benedikt XVI. mit der Feststellung, dass jener kein Realist sei, der Gott ausschließe.Wir dagegen würden von Geburt an initiiert in einen Kult von Gesundheit und konsumistischem Kitzel. So werden wir daran gewöhnt, nur das Sichtbare als real anzusehen.Es war wiederum…

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Erich Fromm und der mütterliche Vater

In seinem Klassiker „Haben oder Sein“ befasst sich Erich Fromm unter anderem mit unterschiedlichen Gottesbildern und den mit diesen verbundenen Bedürfnissen. Nach Erich Fromms Darstellung stünden Muttergottheiten für bedingungslose Annahme und Barmherzigkeit, Vatergottheiten für Gerechtigkeit. Beides entspreche menschlichen Grundbedürfnissen. Das Ideal wäre sozusagen ein Gottesbild, das beide Elemente miteinander verbinde, wobei er selbst für einen atheistischen Humanismus plädiert. Vater- und Muttergottheiten bei Erich Fromm Interessant ist, dass Erich Fromm selbst darauf hinweist, dass der hebräische Begriff für Barmherzigkeit wörtlich übersetzt „Gebärmutter“ bedeutet. Hier wird im Grunde schon deutlich, dass der biblische Gott väterliche…

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Synodalität, Dialog und die Kultur des Todes

In Rom endet in diesen Tagen die Bischofssynode zur Synodalität. Es ist ein guter Anlass, einen Blogeintrag der Synodalität und dem Dialog zu widmen – zwei der Kernanliegen von Papst Franziskus.Vor einiger Zeit habe ich argumentiert, dass sich hinter dem Glauben an grenzenloses Wachstum, aber auch an die grenzenlose Autonomie über den (eigenen) menschlichen Leib, eine Auflehnung gegen unsere Leiblichkeit im Besonderen und die Materialität als Prinzip unserer Begrenztheit im Allgemeinen verbirgt. Die Auflehnung gegen unsere Begrenztheit istaber Auflehnung gegen unsere Geschöpflichkeit und damit Auflehnung gegen unseren Schöpfer, gegen Gott. Es ist der…

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Liturgie und Menschenwürde oder: die Abschaffung des Menschen

Jüngst hat Papst Franziskus auf faszinierende Weise auf den Zusammenhang zwischen Liturgie und Menschenwürde hingewiesen. In seinem Schreiben „Desiderio desideravi“ beschreibt der Heilige Vater in den Nummern 27 und 44 Aspekte, die nur folgenden Schluss zulassen: Die gemeinsame Wurzel der Krise der Liturgie und der Krise der Menschenwürde Die liturgische Krise wie auch die Krise der Menschenwürde, wie sie sich in Abtreibung, Sterbehilfe, künstlicher Befruchtung, Pornographie und Prostitution zeigt, haben beide ein- und dieselbe Wurzel: die Unfähigkeit des modernen Menschen, Symbole zu verstehen, ja schon sie als solche überhaupt nur zu erkennen. Warum…

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Mythos Europa

Vor Kurzem wurden an dieser Stelle zwei bundesrepublikanische Mythen untersucht: das „Wirtschaftswunder“ und „68“. Ein weiterer zentraler Mythos der bundesrepublikanischen Zivilreligion ist „Europa“. Um diesen Mythos soll es im Folgenden gehen.Im Hintergrund dieses Mythos steht die traumatisierende Erfahrung zweier Weltkriege mit den verheerenden Folgen für hunderte Millionen Menschen. Diese Schreckenserfahrung wird kontrastiert durch die Erfahrung jahrzehntelangen Friedens – zumindest in West- und Mitteleuropa. Kernbotschaft des Mythos Europa Vor diesem Hintergrund lautet die Kernbotschaft des Mythos: Der europäischen Einigung verdanken wir den Frieden in Europa. Und (implizit): Es ist alles eine Frage des (guten)…

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Mythos „Wirtschaftswunder“, Mythos „68“ und Eden Culture

Jede Gemeinschaft, jedes Gemeinwesen besitzt Mythen, große, (quasi-)religiöse Erzählungen, die Identität stiften, Orientierung bieten und (jedenfalls einen gewissen) Sinn verleihen. Jeder Mythos besitzt einen wahren Kern, aber auch seine blinden Flecken mit entsprechend negativen Konsequenzen. Im Folgenden soll es in diesem Sinne um zwei der großen bundesrepublikanischen Mythen gehen: den Mythos „Wirtschaftswunder“ und den Mythos „68“. Die Verwendung des Begriffes Mythos soll dabei nicht nahelegen, dass das so Bezeichnete irreal sei. Es soll vielmehr dessen Bedeutung für die bundesrepublikanische Identität, Orientierung und Sinnfindung herausstreichen. Genau hierum soll es auch gehen, nicht um die…

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Warum Menschenrechte nicht ausreichen

Der gesamte Menschenrechtsdiskurs folgt dem Aneignungs-Paradigma. Rechte – und so auch Menschenrechte – werden besessen oder erworben. Besitz und Erwerb ist aber aufs engste mit der Logik der Aneignung verknüpft. Erwerb ist selbst eine Form der Aneignung. Das Resultat des Erwerbs ist der Besitz. Dies gilt explizit auch für Menschenrechte, wenn diese beispielsweise durch die Geburt erworben werden. Menschenrechte, Menschenpflichten, Menschendienste Die Fixierung auf das, was ich besitze, auf meine Rechte und Ansprüche, ist die Kehrseite der Aneignung. Es ist der gleiche Versuch, Erfahrungen des Mangels aus eigener Kraft zu bewältigen, eine Auflehnung…

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Die Hintergründe von Aneignung und Übereignung

Vor einiger Zeit wurden hier zwei vollkommen unterschiedliche Modi des Weltzuganges präsentiert: die Logik der Aneignung und die Logik der Übereignung. Beide Logiken entfalten eine enorme Wirkungsmacht. Während Aneignung das Gegenüber objektiviert, um es verfügbar und kontrollierbar zu machen, und in einem zweiten Schritt auf eine Ressource reduziert, die verwertet wird, zielt die Übereignung auf Beziehung durch wechselseitige Teilhabe. Grob kann eine Verbindung beider Logiken zur Ich-Es- (Aneignung) bzw. Ich-Du- (Übereignung) Beziehung nach Martin Buber gelten.  Eine Frage, der bislang jedoch noch nicht nachgegangen wurde, ist die nach den Hintergründen beider Logiken. Denn…

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Aneignung und Übereignung – 2 Wege der Erkenntnis

Erkenntnis ist ein Beziehungsgeschehen. Es ist die Beziehung zwischen dem, der erkennt, und dem, das erkannt wird. Die Frage ist: Wie kommt es zu dieser Beziehung? Wie wird aus dem nach Erkenntnis Strebenden ein Erkennender und aus dem zu Erkennenden ein Erkanntes? Grundsätzlich gibt es hierfür 2 Wege. Den Weg der Aneignung und den Weg der Übereignung. Der Weg der Aneignung Dieser Weg ist im Sprachgebrauch präsent, wenn wir sagen, „wir eignen uns Wissen über dies oder das an“. Das Ziel dieser Aneignung ist es, dieses Wissen verfügbar zu machen, es zu kontrollieren,…

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Klassische vs. moderne Grammatik nach McLuhan

Das klassische Trivium aus Dialektik, Grammatik und Rhetorik war über Jahrhunderte ein Fundament abendländischer Bildung. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan („the medium is the message“) untersuchte in seiner Dissertation ((Marshall McLuhan, The Classical Trivium. The Place of Thomas Nashe in the Learning of his time, edited by W. Terrence Gordon, Ginkgo Press, Corte Madera, CA USA 2006.)) das Verhältnis der drei Bausteine des klassischen Trivium zueinander. Konkret befasste er sich mit dessen Entwicklung von der Antike bis in das England des 16. Jahrunderts. Seine Darstellung dieses Verhältnisses vermag aber auch Erhellendes für unsere Zeit…

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