Friede & Versöhnung

In den vergangenen Jahren haben Flüchtlingskrise und Corona-Pandemie, wie auch der parallele Aufstieg von AfD und Grünen bei gleichzeitigem Niedergang der alten Volksparteien gesellschaftliche Bruchlinien sichtbar gemacht, die der Heilung bedürfen. Es geht nicht darum, dass ernsthafte Meinungsunterschiede oder kontroverse Diskussionen falsch wären. Aber eine Atmosphäre des Misstrauens, der Anschuldigungen und Einschüchterung ist Gift für den sozialen Zusammenhalt.

Vor diesem Hintergrund verlangt es das Gemeinwohl, dass wir neu ins Gespräch miteinander darüber kommen, was uns verbindet, was uns eint als Gemeinwesen, aber auch, wo wir in getrennten Welten leben. Das Ziel muss eine neue Synthese (vgl. LS 121) sein, eine gemeinsame Vision davon, wer wir sind und wohin wir als Gemeinwesen unterwegs sind. Die ganzheitliche Ökologie bietet sich hier an als eine Antwort, die anerkennt, dass alles miteinander verbunden ist und hieraus ihre Konsequenzen zieht.

Es geht also darum, unsere ursprüngliche Verbundenheit wieder zu entdecken, wiederzuentdecken, dass wir uns nicht selbst erschaffen, sondern immer schon als Geschenk empfangen haben, Teil eines Kreislaufs des Empfangens und Gebens, kurz: des Schenkens, sind. Dann sind wir in der Lage, im anderen nicht den Fremden, den Konkurrenten, den Gegner zu erblicken, sondern den Bruder, die Schwester, mit dem wir als gleichermaßen Empfangende, aber auch als Geber und Empfänger zugleich, verbunden sind, aufeinander zuzugehen, zu versuchen, einander zu verstehen, und miteinander zu teilen.

Friede

Eine wesentliche Komponente des Friedens ist der soziale Friede. Wo soziale Unterschiede wachsen, drohen auch soziale Gegensätze zu wachsen. Ungleichgewichte in der – auch ökonomischen – Machtverteilung bergen die Gefahr sozialer Spannungen und Konflikte. Eine möglichst breite Streuung (ökonomischer) Macht und das heißt auch des Privateigentums an den Produktionsmitteln ist daher ein unverzichtbarer Beitrag zum sozialen Frieden und damit zu einem echten, ganzheitlichen Frieden.

Demgegenüber greift rein staatliche Umverteilung zu kurz. Sie mindert die Konsequenzen, ohne an den realen Machtverhältnissen und damit an den realen Unterschieden und Gegensätzen substantiell etwas zu ändern. Sie erkauft Zeit für echte Reformen und hat insofern ihre Berechtigung. Sie ist aber kein Ersatz für echte Reformen, welche die ökonomische und finanzielle Macht auf eine breitere Basis stellen.

Ganzheitlicher Friede

Unvereinbar mit einem echten Frieden wie auch mit echter Verbundenheit sind alle Formen von Gewalt und Zwang sowie alle Ideologien, die Hass oder Gleichgültigkeit schüren. Das Ziel muss es daher sein, sämtliche Formen von Gewalt und Zwang in unserem Zusammenleben auf ein Miminum zu reduzieren sowie die genannten Ideologien zu ächten.

Wahren Frieden kann es nur geben, wo jedes Leben als schützenswert anerkannt wird. Bei der Vermittlung des Wertes und der Würde des Lebens kommt gerade auch den Familien eine besondere Bedeutung zu. Dies gilt ebenso für die Vermittlung von Tugenden. Auf Lastern wie Geiz, Gier und Jähzorn lässt sich kein Frieden aufbauen. Darum brauchen wir für den Frieden die Tugenden.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient aber auch der Kampf gegen (Zwangs)Prostitution, (Kinder)Pornographie und Menschenhandel. Der Einsatz für einen ganzheitlichen Frieden verlangt den Einsatz für die Menschenrechte.

Zur Friedensarbeit gehört schließlich ganz klassisch der Einsatz für die Völkerverständigung, für die diplomatische Lösung internationaler Konflikte und die Schaffung globaler Strukturen, welche dem internationalen Recht wirksam universelle Geltung verschaffen. (vgl. Caritas in Veritate 67)

Die Basis für jeden Frieden bildet jedoch der innere Frieden, welchen keine Politik schaffen kann – und ultimativ der Friede mit Gott, gestiftet am Kreuz von Golgotha.