Hosanna dem Sohne Davids erschallt es wieder landauf, landab in und vor den Kirchen. An diesem Tag gedenkt die katholische Christenheit des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem. Die Volksmenge begrüßte ihn als den endzeitlichen Friedenskönig, des Messias, der einzieht auf dem Lasttier, einem Esel, nicht auf einem Streitroß an der Spitze einer siegreichen Armee – so wie es der Prophet Sacharja dem Volk Israel verheißen hat (Sach. 9,9). Würde sich das Ganze heute ereignen, würde Jesus im Kombi nach Jerusalem kommen, nicht auf einem Panzer.

Palmsonntag

Der Palmsonntag erinnert uns daran, dass Jesus Christus der Friedenskönig ist. Er ist der König, der den Frieden bringt. Uns Heutigen will das sagen, dass auch wir, die wir in der Nachfolge Jesu Christi leben, dazu berufen sind, den Frieden zu bringen; dass er zwar bereits angebrochen, aber noch nicht vollendet ist; dass er immer noch im Ankommen begriffen ist, in einer Welt, die viel zu oft noch immer zerrissen ist durch Krieg und Gewalt – in der Ukraine, im heiligen Land und an ungezählten anderen Orten.

Der Palmsonntag erinnert uns zugleich daran, dass es keinen Frieden geben kann ohne die Anerkennung des Königtums Christi. Christus allein ist der König. Und jeder Herrschaftsversuch ohne oder gegen ihn basiert auf Lüge und Gewalt; ist ein Bruch jenes Friedens, den ER uns bringen will.

Der Palmsonntag und das Reich des Herzens Jesu

Für den Frieden zu arbeiten, heißt daher für die Errichtung des Königtums Christi zu arbeiten – oder wie Papst Franziskus es in Dilexit nos Nr. 182 nannte: des Reiches des Herzens Christi. Es geht um den Aufbau jener Zivilisation der Liebe, von der Papst Johannes Paul II. sprach und die eine sozialökologische Transformation verlangt, die Transformation unserer ökonomischen und politischen Strukturen, so dass diese immer mehr dem Gebot Christi entsprechen (vgl. Dilexit nos Nr. 183)

Dies verlangt Schluss zu machen mit der liberalen Illusion, die Menschen seien primär und wesentlich individuelle Rechtsträger, die erst nachträglich im vom Staat gesetzten Rahmen miteinander in Beziehungen rein vertraglicher Natur treten würden, wo in Wahrheit diese Konzeption allein dem höchst freiheitsfeindlichen Zweck dient, die Menschen restlos und in letztlich totalitärer Weise staatlicher Verwaltung verfügbar zu machen.

Es verlangt anzuerkennen, dass der Friede (Eden!) ursprünglich und der Krieg (Kain und Abel) dessen nachträgliche Störung ist, weshalb staatliche Intervention immer nur der Wiederherstellung dieses ursprünglichen Friedens dienen und nie darüber hinaus gehen darf. Es verlangt anzuerkennen, dass Menschen nicht primär Vertragspartner, sondern Sohn oder Tochter, Ehemann oder Ehefrau, Väter oder Mütter, Brüder oder Schwestern sowie Freunde sind und Liebe und Wohlwollen die angemessene Haltung ihnen gegenüber (Ja, wir sind unseres Bruders Hüter!). Dies ist die Grundlage für eine Revolution der Liebe, eine Revolution des Friedens, die auch unweigerlich die angesprochene institutionelle Transformation nach sich ziehen wird, wenn wir anfangen, uns als die Freunde und Brüder zu behandeln, die wir sind und unser soziales Leben danach aufzubauen beginnen.

Klingt das idealistisch? Klingt das naiv und blauäugig? In einer Welt ohne Gnade, ja. In einer Welt ohne Fleischwerdung des ewigen Wortes vom Vater, Ja. Aber diese Welt gibt es nicht mehr. Der Palmsonntag erinnert uns daran.

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