Heute am Aschermittwoch beginnt wieder die 40-tägige vorösterliche Fastenzeit. Es ist eine Zeit der Buße und der Umkehr, ja der Sühne. Neben dem Fasten gehören zu ihr ganz wesentlich das Gebet und das Almosengeben.

Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass „was der Herr wirklich an Wiedergutmachung – mit der Hilfe seiner Gnade – von uns erwartet“ (Dilexit nos Nr. 181), „die wahre Wiedergutmachung, die das Herz des Erlösers verlangt“ (Dilexit nos Nr. 182), darin besteht „gemeinsam mit Christus auf den Trümmern, die wir mit unserer Sünde in dieser Welt hinterlassen, eine neue Zivilisation der Liebe aufzubauen. Dies bedeutet Wiedergutmachung wie das Herz Christi sie von uns erwartet.“ (Dilexit nos Nr. 182)

Es steht fest, dass jede Sünde der Kirche und der Gesellschaft schadet, weshalb man »jeder Sünde […] den Charakter einer sozialen Sünde zuerkennen« kann, auch wenn dies insbesondere auf bestimmte Sünden zutrifft, die »durch ihren Inhalt selbst einen direkten Angriff auf den Nächsten« darstellen. [193] Der heilige Johannes Paul II. erklärte, dass die Wiederholung dieser Sünden gegen die Anderen oft dazu führt, dass sich eine „Struktur der Sünde“ verfestigt, die sich auf die Entwicklung der Völker auswirkt. [194] Dies ist oft Teil einer vorherrschenden Denkweise, die als normal oder rational betrachtet, was in Wirklichkeit bloß Egoismus und Gleichgültigkeit ist. Dieses Phänomen kann man als soziale Entfremdung bezeichnen: »Entfremdet wird eine Gesellschaft, die in ihren sozialen Organisationsformen, in Produktion und Konsum, die Verwirklichung dieser Hingabe und die Bildung dieser zwischenmenschlichen Solidarität erschwert«. [195] Es ist nicht nur eine moralische Norm, die uns dazu anhält, diesen entfremdeten Gesellschaftsstrukturen zu widerstehen, sie offenzulegen und eine soziale Dynamik zu fördern, die das Gute wiederherstellt und aufbaut, sondern es ist die »Bekehrung des Herzens«, welche die Pflicht verstärkt, [196] solche Strukturen zu heilen. Es ist unsere Antwort auf das liebende Herz Jesu Christi, das uns zu lieben lehrt.“ (Dilexit nos Nr. 183)

Aschermittwoch: Zeit des Herzens Jesu

Zugleich gilt:

„Gerade weil die Wiedergutmachung im Sinne des Evangeliums diese starke soziale Bedeutung hat, verlangen unsere Akte der Liebe, des Dienstes und der Versöhnung, um wirklich Wiedergutmachung zu leisten, dass Christus sie anregt, sie motiviert und sie ermöglicht. Der heilige Johannes Paul II. sagte des Weiteren, dass die heutige Menschheit das Herz Christi braucht, um die Zivilisation der Liebe aufzubauen. [197] Die christliche Wiedergutmachung kann nicht nur als eine Ansammlung von äußeren Werken verstanden werden, die doch auch unerlässlich und manchmal bewundernswert sind. Sie braucht eine Spiritualität, eine Seele, einen Sinn, welche ihr Kraft, Schwung und unermüdliche Kreativität verleihen. Sie braucht das Leben, das Feuer und das Licht, die aus dem Herzen Christi kommen.“ (Dilexit nos Nr. 184)

Aschermittwoch

Es geht darum, das „das Reich des Herzens Christi“ (Dilexit nos Nr. 182) aufzurichten, das soziale Königtum Christi. Auch von einer neuen Bundesregierung können wir hierzu wenig erwarten. Es ist vielmehr an uns allen, Strukturen der Sünde zu überwinden und eine Zivilisation der Liebe aufbauen, eine Zivilisation, die sich nicht auf unsere Herzen beschränkt, sondern sich auch sozial inkarniert.

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