Die Karwoche ist eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die Gegenwart des Kreuzes in Laudato Si‘ zu werfen.

Das erste Mal erscheint es im Rahmen eines Zitates des heiligen Johannes Paul II. aus dessen Sozialenzyklika Laborem exercens:

„Indem der Mensch die Mühsal der Arbeit in Einheit mit dem für uns gekreuzigten Herrn erträgt, wirkt er mit dem Gottessohn an der Erlösung der Menschheit auf seine Weise mit.“
(LS 98 bzw. LE 27)

Kurz darauf erklärt Papst Franziskus:

„Eine Person der Trinität hat sich in den geschaffenen Kosmos eingefügt und ihr Geschick mit ihm durchlaufen bis zum Kreuz.“
(LS 99)

Und in LS 100 zitiert er aus Kol. 1,19f:

„Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.“

Im Abschnitt über die Gottesmutter heißt es schließlich über diese:

„Wie sie mit durchbohrtem Herzen den Tod Jesu beweinte, so fühlt sie jetzt Mitleid mit den Armen an ihren Kreuzen und mit den durch menschliche Macht zugrunde gerichteten Geschöpfen.“
(LS 241)

Im Folgenden will ich auf 4 Aspekte besonders eingehen.

Kreuz

Das Kreuz als Weg der Solidarität Gottes

Christen glauben nicht an einen fernen, unpersönlichen, anonymen Gott. Christen glauben an einen nahen Gott, einen Gott mit einem Gesicht: dem Gesicht Jesu Christi. Es ist dies das große Thema von Papst Benedikt XVI., wie er es in seiner Jesu-Trilogie, aber auch in seinen Enzykliken entfaltet hat, allen voran Deus Caritas est. Es ist ein Gott, der in seiner Solidarität mit uns bis in den qualvollen Tod am Kreuz ging. Unser Schmerz ist ihm vertraut.

Das Kreuz als Mittel der Einheit

Daher ist für uns Christen das eigene Leid nicht sinnlos, nichts, was es um jeden Preis schnellstmöglich abzuschütteln gelte. Es ist ein Mittel der Begegnung, ja der Vereinigung mit Jesus Christus. Das Leiden findet so seinen Platz, wird integriert in die eigene Existenz, muss nicht verleugnet oder betäubt werden, sondern kann angenommen werden. Dabei bleibt das Leiden stets Mittel, wird nicht zum Selbstzweck.

Das Kreuz der Armen

Papst Franziskus erinnert uns daran, wie Christus sich in der Gerichtsrede des Matthäus-Evangeliums mit den Armen identifiziert. Die Solidarität Christi mit uns nimmt uns hinein in eine Dynamik, die uns zur Solidarität mit den Armen und allen Notleidenden führt. In ihnen begegnen wir Christus, in ihrem Angesicht sehen wir das Angesicht Christi. Dienst an den Armen ist daher Dienst für Christus.

Das Kreuz als Quelle des Friedens

In Zeiten des Krieges in der Ukraine und in Nahost ist es umso wichtiger daran zu erinnern: Es kann keinen Frieden geben ohne Frieden mit Gott. Diesen Frieden aber hat Gott selbst gewirkt: in Jesus Christus mit seinem Blut am Kreuz. An uns ist es daher, diesen Frieden im Glauben anzunehmen und in der Feier der Sakramente immer wieder in unserem Leben zu erneuern und zu vertiefen; insbesondere in den Sakramenten der Beichte und der Eucharistie.

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