Brauchen Kinder Vater und Mutter? Als Gegenbeleg hierzu wurde auf die Cornell-Studie verwiesen. Die Cornell-Studie ist eine Metastudie, die 79 Studien untersucht hat. 75 dieser Studien kommen demnach zum Schluss, dass es Kindern bei homosexuellen Eltern nicht schlechter geht als anderen Kindern. 4 Studien kommen zum gegenteiligen Schluss. Der folgende Beitrag soll der Frage nach gehen, inwieweit die Cornell-Studie tatsächlich als Gegenbeleg dazu taugt, dass Kinder Vater und Mutter brauchen. Die Cornell-Studie verlinkt hier auf sämtliche 79 Studien.
In 21 Fällen[1]Biblarz & Stacey 2010, Bos 2010, Bos, Gartrell, & van Gelderen 2013, Chan, Raboy & Patterson 1998, Crowl, Ahn & Baker 2008, Farr, Forssell & Patterson 2010, Farr & Patterson … Continue reading war die Verlinkung der Cornell-Studie auf die betreffende Studie tot. In 13 der Fälle war aufgrund des Abstracts bereits eine – teilweise zumindest vorläufige – Einordnung möglich. 8 der Studien konnten in diesem Rahmen nicht weiter berücksichtigt werden. In einer späteren zweiten Runde soll versucht werden, auf anderen Wegen diese Studien ausfindig zu machen und sie einer Prüfung zu unterziehen.
37 Studien[2]Adams 2015, Allen & Burrell 1996, Anderssen, Amlie, Ytteroy 2002, Baiocco et al. 2015, Bailey, Bobrow, Wolfe & Mikach 1995, Bos et al. 2016, Brewaeys, Ponjaert, van Hall & Golombok 1997, … Continue reading waren nicht frei zugänglich bzw. lediglich ihr Abstract einsehbar, so dass eine nähere Untersuchung und Bewertung dieser Studien nicht möglich war. In 12 der Fälle genügte jedoch bereits der Abstract für eine – teilweise zumindest vorläufige – entsprechende Einordnung. 25 Studien konnten in diesem Rahmen nicht weiter berücksichtigt werden.
In Summe konnten von den 75 genannten Studien 42 Studien untersucht werden.

7 Studien verglichen lesbische und alleinerziehende (Mutter-)Haushalte[3]Golombok, Spencer & Rutter 1983, Golombok & Tasker 1996, Golombok, Tasker & Murray 1997, Green, Mandel, Hotvedt, Gray und Smith 1986, MacCallum & Golombok 2004, Shechner, Slone, Lobel … Continue reading.
Eine Studie verglich lesbische, schwule und alleinerziehende (Mutter-)Haushalte (Harris & Turner 1986).
Zwei Studien verglichen geschiedene (!) lesbische und heterosexuelle Mütter (Hoeffer 1981, Huggins 1989).
Ob der leibliche Vater für Kinder wichtig ist, können diese Studien nicht beantworten, da sämtliche der untersuchten Kinder ohne leiblichen Vater auskommen mussten und also eine entsprechende Vergleichsgruppe fehlte. Dies gilt ebenfalls für zwei Studien (Chan, Raboy & Patterson 1998, Fulcher, Chan, Raboy & Patterson 2002), in denen nur Kinder von Samenspendern untersucht wurden.
Eine Studie (Fulcher, Sutfin, Patterson 2008) stellte fest, dass es nicht von der sexuellen Orientierung der Erziehungsberechtigten abhänge, sondern von der Verteilung der beruflichen Tätigkeit zwischen diesen, ob die Kinder traditionellere Berufsvorstellungen hatten oder nicht. Für unsere Fragestellung besitzt dieses Studienergebnis keine erkennbare Relevanz.
Eine Studie (Bos 2010) untersuchte Konstellationen in denen ein schwules und ein lesbisches Pärchen per Samenspende gezeugte Kinder gemeinsam aufzogen, sprich: Diese Kinder wuchsen bei ihrem leiblichen Vater und ihrer leiblichen Mutter sowie deren jeweiligen Partner auf. Die Irrelevanz leiblicher Eltern kann diese Studie also prinzipiell nicht erweisen.
Pawelski et al (2006) trägt den Titel „The Effects of Marriage, Civil Union, and Domestic Partnership Laws on the Health and Well-being of Children“. Ein erkennbarer Zusammenhang mit unserer Fragestellung besteht nicht. Leider ist die Studie nicht öffentlich zugänglich, um dies genauer zu überprüfen.
Für unsere Fragestellung sind diese in Summe 15 Studien also irrelevant. Es verbleiben somit noch 27 Studien.
5 Studien verglichen lediglich Adoptivkinder in unterschiedlichen Konstellationen.[4]Erich, Kanenberg, Case, Allen & Bogdanos 2009, Lavner, Waterman, Peplau 2012, Farr, Forssell & Patterson 2010, Farr & Patterson 2013, Goldberg & Smith 2013 Für die Frage nach der (Nicht-)Bedeutung leiblicher Eltern sind diese Studien folglich irrelevant. Es verbleiben somit noch 22 Studien.
Die USA National Longitudinal Lesbian Family Study
8 Studien[5]Goldberg, Bos & Gartrell 2011, van Gelderen, Bos, Gartrell, Hermanns & Perrin 2012, Bos, Gartrell, & van Gelderen 2013, Bos, Gartrell, Peyser & van Balen 2008, Gartrell, Bos & … Continue reading sind eigentlich Elemente einer einzigen großen Langzeitstudie, der USA National Longitudinal Lesbian Family Study.
Eine dieser Studien (Goldberg, Bos & Gartrell 2011) weist nach, dass Heranwachsende aus lesbischen Elternhäusern in erheblichem Umfang häufiger Tabak, Alkohol, Marijuhana und Haschisch, LSD, Kokain, Beruhigungsmittel sowie weitere Drogen konsumierten. Dieser Befund hielt auch stand, nachdem man die Heranwachsenden danach unterschied, ob sie aufgrund ihrer Familiensituation Opfer von Homophobie geworden waren oder nicht. Angesichts dieses negativen Ergebnisses ist es schwer nachvollziehbar, weshalb diese Studie zu jenen gezählt wurde, die keine Nachteile für Kinder in homosexuellen Elternhäusern ergaben. Die Autoren selbst sahen sich gezwungen, die Ergebnisse mit einer gemutmaßten größeren Offenheit und größerem Vertrauen der befragten Heranwachsenden schönzureden.
Angesichts dieser Studie aus dem Jahr 2011 stellt sich auch die Frage, welche Relevanz noch die älteren Studien aus den Jahren 2005, 2008 und 2010 haben können, die (noch) keine negativen Auswirkungen auf dieselben Kinder hatte feststellen können, d. h. abgesehen von Homophobieerfahrungen, die für den späteren Drogenkonsum aber nur von untergeordneter Bedeutung waren. Die zweite Studie aus dem Jahr 2011 (Gartrell, Bos & Goldberg 2011) wies zudem nach, dass Mädchen aus lesbischen Haushalten sich häufiger als bisexuell identifizierten sowie häufiger selbst lesbisch aktiv waren und deutlich häufiger Notfallverhütungsmittel verwendet haben. Gartrell, Bos, Peyser, Deck & Rodas 2012 wies schließlich darauf hin, dass die meisten Mütter der Studie einen Collegeabschluss hatten und einer entsprechenden Tätigkeit nachgingen. Zum Vergleich: 2013 lag die Akademikerquote insgesamt in den USA bei 43 %. Es stellt sich also die Frage, inwieweit selbst positive oder doch unauffällige Ergebnisse wie in Bos, Gartrell, & van Gelderen 2013 weniger eine Aussage über die sexuelle Orientierung der Erziehungsberechtigten ist als über deren spezifischen sozioökonomischen Hintergrund. Gartrell, Bos, Peyser, Deck & Rodas 2012 wies zudem darauf hin, dass die Kinder aus den lesbischen Elternhäuser häufiger Psychotherapien besuchten – bewertet dies freilich positiv. Schließlich wird in dieser Studie die Möglichkeit eingeräumt, dass die Jugendlichen die positiven Seiten ihrer Mütter überbetonen zur Kompensation von Homophobie-Erfahrungen.
Weitere von der Cornell-University untersuchte Studien
Biblarz & Stacey 2001 weist explizit darauf hin, dass die kulturellen, finanziellen und rechtlichen Schwierigkeiten, Kinder über eine Samenspende zu bekommen, zur Folge hat, dass dies vor allem Paaren mit entsprechend gehobenem sozioökonomischen Hintergrund gelingt, weshalb Studien, die sich vor allem oder ausschließlich diesen Paaren widmen, Probleme mit ihrer Repräsentativität haben dürften. Darüber hinaus arbeitet die Studie heraus, wie stark Kinder, die in homosexuellen Paarhaushalten aufwachsen sich doch in Sachen geschlechtstypischem Verhalten und Präferenzen sowie auch sexuellem Verhalten und sexueller Präferenz von anderen Kindern unterscheiden. Hierbei verweist die Studie auch unter anderem auf Golombok und Tasker 1996.
Golombok & Tasker 1996 fand heraus, dass Kinder aus lesbischen Paarhaushalten häufiger später selbst mit homosexuellen Beziehungen herumexperimentierten; tatsächlich in 24 % der Fälle im Vergleich zu 0% (!) bei den heterosexuellen Paaren, wie Biblarz & Stacey 2001 hervorhebt. Nach der selben Studie zeigten die Töchter aus diesen Haushalten im Jugendalter auch ein promiskeres Sexualverhalten. Biblarz & Stacey 2001 bewertet dies freilich positiv und spricht von einem „abenteuerlicheren“ Sexualverhalten.
Nach Bos & Sandfort 2009 waren die befragten Kinder – Alter 8 bis 12 Jahre – aus homosexuellen Paarhaushalten verunsicherter hinsichtlich ihrer künftigen sexuellen Orientierung. Ein höherer Grad an Verunsicherung geht einher, so die Studie weiter, mit geringerem Selbstwertgefühl und (in der Selbsteinschätzung) geringerer Sozialkompetenz.
In Goldberg 2007 hatten die befragten Kinder dieser Studie im Erwachsenenaltern von Vertrauensproblemen infolge des Coming Out ihrer Eltern bzw. eines ihrer Elternteile berichtet.
Eine Studie (Potter 2012) verweist explizit darauf, dass Kinder, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, akademisch erfolgreicher sind. Der – freilich nach wie vor bestehende – Unterschied zu homosexuellen Paaren sei jedoch nicht mehr bedeutend (!), wenn man den Faktor Familienbrüche herausrechne – nun sind diese aber ein grundsätzliches Problem dieser Familienkonstellationen, insofern viele Kinder in homosexuellen Beziehungen aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammen und damit Trennung oder Sheidung erlebt haben. Doch auch unabhängig hiervon ist ein noch so kleiner feststellbarer Unterschied eben doch relevant für unsere Diskussion und bestätigt: Kinder brauchen Vater und Mutter – jedenfalls für ihre bestmögliche Entwicklung.
Allerdings erklärt Rosenfeld 2010 die besseren akademischen Ergebnisse von Kindern aus heterosexuellen Beziehungen mit deren besseren sozioökonomischen Status im Vergleich mit homosexuellen Paaren mit Kindern. Die Studie wirft allerdings selbst die interessante Frage auf, weshalb homosexuelle Paare insgesamt sozioökonomisch deutlich besser dastehen als heterosexuelle Paare, sobald Kinder hinzu kommen sich dies jedoch in sein Gegenteil verkehrt. Hier ist aber auch anzumerken, dass Potter sich explizit auf die leiblichen Eltern bezieht, wohin gegen Rosenfeld allgemein von heterosexuellen Paaren ausgeht, worunter auch Adoptivfamilien, Pflegefamilien sowie Patchwork-Familien fallen.
Eine Studie (Leddy, Gartrell & Bos 2012) formuliert ihr Ziel wie folgt:
„The objective of the current study is to explore the experiences of young adults who were raised in lesbian homes by examining the following research questions: What do the adult daughters and sons of lesbian mothers perceive as the most positive aspects of being raised in a lesbian family?
• Do they believe that society discriminates against lesbians?
• How did their peers react to learning about their lesbian family?
• Were they stigmatized because of their mothers’ lesbianism?
• What mechanisms did they employ to cope with the stigma they faced?“
Die Möglichkeit negativer Aspekte eines Aufwachsens in einer „lesbischen Familie“ ist so durch die Fragestellung von vorneherein ausgeschlossen und kann daher auch nicht festgestellt werden. Wissenschaftliches Framing at it finest. Diese Studie diesqualifiziert sich durch ihre Einseitigkeit selbst.
Es bleiben noch 7 Studien.
Bei Kirkpatrick, Smith & Roy 1981 weckt bereits die Sprachwahl, wonach die Kinder unterteilt nach der „sexual object choice“ der Mutter untersucht wurden, Irritationen. Eine nähere Untersuchung dieser Studie war aber leider aufgrund fehlender Informationen (siehen oben) nicht möglich.
Bailey, Bobrow, Wolfe & Mikach 1995 untersuchte den Einfluss homosexueller Väter auf ihre – zum Studienzeitpunkt erwachsenen – Kinder. Aus dem Abstract geht allerdings nicht hervor, wann in der Entwicklung ihrer Kinder diese Väter sich als homosexuell outeten und wie lange die Kinder in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrem Vater und ihrer Mutter lebten. Je später ersteres und je länger letzteres der Fall war, desto geringer auch die Aussagekraft dieser Studie.
Crouch, Waters, McNair, Power & Davis 2014 befragten Eltern, die sich selbst als homosexuell einstufen. Unklar ist, ob sie aber auch tatsächlich in homosexuellen Beziehungen leben bzw. ihre Kinder in solchen aufwachsen. 77 % der Teilnehmer hatten einen Universitätsabschluss, zum Vergleich: nur 43,7% der australischen Bevölkerung hatten 2016 einen solchen. 59 % hatten ein Haushaltseinkommen von mind. 100.000 Australischen Dollar. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Australien lag 2015 zum Vergleich bei knapp 80.000 AUD. Die Befragten erscheinen also in sozioökonomischer Hinsicht privilegiert und nicht repräsentativ zu sein.
Golombok, Perry, Burston, Murray, Mooney-Sumers, Stevens 2003 weisen darauf hin, dass eine starke Einschränkung hinsichtlich bisheriger Studien in diesem Feld darin besteht, dass die meisten Studien auf freiwillig gemeldeten Teilnehmern basierten, weshalb die Repräsentativität dieser Studien fraglich ist. Gerade lesbische Erziehungsberechtigte mit einer untypischen Geschlechtsentwicklung der Kinder sowie psychologischen Problemen auf Seiten der Kinder könnten sich seltener freiwillig für die Studien gemeldet haben. Die Studie selbst gehört mit zu den besten im Feld und ist eine der wenigen, die uneingeschränkt im Sinne der Botschaft der Cornell-Studie stehen gelassen werden kann. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass die Kinder zum Untersuchungszeitpunkt erst maximal 7 Jahre alt waren und damit keine Aussagen über die Langzeitwirkungen von der Studie zu erwarten sind. Zur Einordnung: Im Rahmen der USA National Longitudinal Lesbian Family Study untersuchte Gartrell, Deck, Rodas, Peyser & Banks 2005 10-Jährige und kam ebenfalls zu positiven Ergebnissen, ehe dann Goldberg, Bos & Gartrell 2011 einen deutlich erhöhten Drogenkonsum bei den dann 16-Jährigen feststellte.
Biblarz und Stacey (2010) gehen von einer irrigen Prämisse aus, wenn sie postulieren, die Behauptung, Kinder bräuchten Vater und Mutter, basiere auf der Annahme, dass Männer und Frauen unterschiedlich erziehen würden; aus dieser Annahme folgt nicht, dass Kinder Vater und Mutter brauchen, sondern dass sie einen männlichen und eine weibliche Erziehungsberechtigten benötigen. Tatsächlich basiert die Überzeugung, dass Kinder Vater und Mutter brauchen nicht primär auf dem, was diese tun, sondern wer sie sind: ihr Vater und ihre Mutter.
Bos, van Balen, & van den Boom 2005 ist eine Metastudie zu lesbischen „Elternhäusern“.
Es wurden 23 Studien zu lesbischen Haushalten, bei denen die Kinder aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammen, untersucht. Bei 8 Studien gab es keine Kontrollgruppe, 7 Studien verglichen lediglich Alleinerziehende mit unterschiedlicher sexueller Orientierung bzw. deren Kinder. Eine Studie behandelte das Selbstbild lesbischer und heterosexueller Mütter. Eine Studie verglich lesbische Paare mit und ohne Kinder. 1 Studie verglich lesbische und schwule Paare. 2 Studien verglichen lesbische und heterosexuelle Mütter (→ Unsichtbarmachung der Väter). 3 Studien verglichen Kinder lesbischer und heterosexueller Mütter.
21 Studien untersuchten Samenspender-Familien. Wieder bei 8 Studien gab es keine Kontrollgruppe, bei 2 Studien war in der Kontrollgruppe der Vater lediglich Samenspender (→ Kinder wuchsen nicht bei leiblichem Vater auf). Der Wert dieser Metastudie ist damit deutlich in Frage gestellt. Für eine genauere Bewertung müssten jedoch die 43 einzelnen Studien selbst untersucht werden. Hierfür ist an dieser Stelle jedoch kein Raum.
Fedewa & Clark (2008) stellte keinen Unterschied in Sachen Kommunikation und Hilfe in Bezug auf die Kinder zwischen homo- und heterosexuellen Paaren sowie bei der Kooperation zwischen Schule und Erziehungsberechtigten fest, letzteres zur Überraschung der Autoren, die davon ausgegangen waren, dass wegen des „Stigmas“ Homosexueller die Kooperation beeinträchtigt wäre. Diese Studie zeigt: Um angemessene Kommunikation und Hilfe zu erhalten, brauchen Kinder nicht Vater und Mutter. Angesichts der vielen Kinder, die auf einen von beiden oder beide Elternteile verzichten müssen, ist das ein erfreulicher Befund.
Fazit zur Cornell-Studie
Dieser Artikel behandelt die Frage, ob die Cornell-Studie die Ansicht entkräftet, Kinder bräuchten (ihren leiblichen) Vater und Mutter. Die Antwort lautet: Nein. Von den 42 untersuchten Studien erwiesen sich 20 als irrelevant für die Fragestellung. 7 Studien sprechen eher für die Bedeutung der leiblichen Eltern. 1 Studie musste aufgrund der Voreingenommenheit ihrer Fragestellung ausgeschlossen werden. 7 Studien sind in sozioökonomischer Hinsicht nicht repräsentativ. In 2 Fällen blieben aufgrund eines fehlenden freien Zugangs begründete Zweifel bezüglich der Studien unausgeräumt. Bei einer Metastudie müssten für eine eingehende Beurteilung die untersuchten Studien näher betrachtet werden. An ihrer Aussagefähigkeit bestehen aber bereits jetzt starke Zweifel. Am Ende bleiben 3 ggf. 4 Studien übrig, die im Sinne der Fragestellung bestehen bleiben können – gegenüber in Summe 11 entgegen gesetzten Studien.
Noch ein Hinweis: Für 31 der 75 Studien zeichnen 5 Personen (Bos, Goldberg, Golombok, Gartrell und Patterson) (mit)verantwortlich. Das sollte man auch wissen, wenn die Cornell-Studie den Eindruck eines breiten wissenschaftlichen Konsens erweckt. Dies ist umso wichtiger, da die Autoren selbst immer wieder ihre eigenen weltanschaulichen Vorannahmen deutlich machen, die von einer unkritischen Affirmation von Homosexualität gekennzeichnet sind.
Eine andere Frage wäre: Brauchen Kinder in Abwesenheit ihres Vaters und ihrer Mutter eine Vater- und eine Mutterfigur oder sind sie bei einem homosexuellen Paar genauso gut aufgehoben? Hier muss man differenzieren:
Ein Bruch in der Familie durch Trennung oder Scheidung bedeutet für Kinder immer eine schwere Hypothek, unabhängig davon, ob die Kinder danach zu einem homosexuellen Paar kommen oder nicht. Die Cornell-Studie bestätigt das. Eine schwere Hypothek, für welche wiederum die Kinder zahlen müssen, ist auch das Aufwachsen bei Alleinerziehenden; selbstverständlich unabhängig von deren sexueller Orientierung und Geschlecht. Auch dies bestätigt die Cornell-Studie.
Durch Samenspenden (und außerhalb Deutschland Leihmutterschaft) kann es vorkommen, dass Kinder heute bei homosexuellen Paaren aufwachsen, ohne zuvor den Bruch der Beziehung ihrer leiblichen Eltern durchlebt zu haben. In diesem Fall stellen sich allerdings bereits im Vorfeld die ethischen Problemen, die immer – auch bei heterosexuellen Paaren – mit künstlicher Befruchtung einhergehen, abgesehen davon dass im Fall einer Samen(oder Eizell-)spende willentlich und wissentlich dem Kind ein leibliches Elternteil vorenthalten wird.
Bleibt schlussendlich noch die Frage, ob Adoptiv- und Pflegekinder bei homosexuellen Paaren genauso gut aufgehoben sind wie bei Mann-Frau-Paaren. Die Cornell-Studie scheint oberflächlich betrachtet diesen Schluss tatsächlich nahezulegen. Dies wäre ein Feld weitergehender Untersuchung, da es hier um die Frage des Adoptionsrechtes für Homosexuelle geht.
References[+]
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| ↑2 | Adams 2015, Allen & Burrell 1996, Anderssen, Amlie, Ytteroy 2002, Baiocco et al. 2015, Bailey, Bobrow, Wolfe & Mikach 1995, Bos et al. 2016, Brewaeys, Ponjaert, van Hall & Golombok 1997, Brewaeys & van Hall 1997, Erich, Leung & Kindle 2005, Erich, Kanenberg, Case, Allen & Bogdanos 2009, Falk 1989, Flaks, Ficher, Masterpasqua & Joseph 1995, Gartrell & Bos 2010, Golombok, Spencer & Rutter 1983, Golombok, Tasker & Murray 1997, Gottmann 1989, Green, Mandel, Hotvedt, Gray und Smith 1986, Harris & Turner 1986, Hoeffer 1981, Huggins 1989, Kirkpatrick, Smith & Roy 1981, Lamb 2012, Lavner, Waterman, Peplau 2012, Lewis 1980, Miller, Jacobson & Bigner 1981, Pawelski et al. 2006, Perrin 2002, Perry, Burston, Stevens, Steele, Golding, Golombok 2004, Potter 2012, Ryan 2007, Shechner, Slone, Lobel & Schecter 2013, Tasker & Golombok 1995, Vanfraussen, Ponjaert-Kristoffersen & Brewaeys 2002, Vanfraussen, Ponjaert-Kristoffersen & Brewaeys 2003 |
| ↑3 | Golombok, Spencer & Rutter 1983, Golombok & Tasker 1996, Golombok, Tasker & Murray 1997, Green, Mandel, Hotvedt, Gray und Smith 1986, MacCallum & Golombok 2004, Shechner, Slone, Lobel & Schecter 2013, Tasker & Golombok 1995 |
| ↑4 | Erich, Kanenberg, Case, Allen & Bogdanos 2009, Lavner, Waterman, Peplau 2012, Farr, Forssell & Patterson 2010, Farr & Patterson 2013, Goldberg & Smith 2013 |
| ↑5 | Goldberg, Bos & Gartrell 2011, van Gelderen, Bos, Gartrell, Hermanns & Perrin 2012, Bos, Gartrell, & van Gelderen 2013, Bos, Gartrell, Peyser & van Balen 2008, Gartrell, Bos & Goldberg 2011, Gartrell & Bos 2010, Gartrell, Bos, Peyser, Deck & Rodas 2012, Gartrell, Deck, Rodas, Peyser & Banks 2005 |