Was bedeutet Subsidiarität?

Subsidiarität ist neben Solidarität, Gemeinwohl und Personalität eines der 4 Prinzipien der katholischen Soziallehre.

Papst Franziskus betont in „Laudato si“ Nr. 157 im Kapitel zur ganzheitlichen Ökologie, dass das Gemeinwohl auch das soziale Wohl und die Entfaltung der verschiedenen intermediären Gruppen“ verlangt, „indem es das Prinzip der Subsidiarität anwendet.“

Subsidiarität und Solidarität ergänzen einander. Während Solidarität die Verantwortung des einzelnen und der gesellschaftlichen Gruppen gegenüber dem Gemeinwesen als Ganzes und den anderen (gesellschaftlichen Gruppen) bezeichnet, schützt Subsidiarität (analog zur Personalität in Bezug auf den einzelnen) die Integrität der gesellschaftlichen Gruppen gegenüber Übergriffen des Gemeinwesens oder übergeordneter gesellschaftlicher Gruppen.

Klassisch ist die Aussage hierzu in der Enzyklika „Quadragesimo anno“, in der es heißt:

Wie das, was von einzelnen Menschen auf eigene Faust und in eigener Tätigkeit volbracht werden kann, diesen nicht entrissen und der Gemeinschaft übertragen werden darf, so ist es ein Unrecht und zugleich ein schwerer Schaden und eine Störung der rechten Ordnung, das auf eine größere und höhere Gemeinschaft zu übertragen, was von kleineren und niedrigeren Gemeinschaften erreicht und geleistet werden kann; denn jede gesellschaftliche Tätigkeit muss ihrem Wesen und ihrer Natur nach den Gliedern des gesellschaftlichen Leibes Unterstützung leisten, darf sie aber niemals zerstören und aufsaugen.“

Gemäß dieses Prinzips müssen größere und umfassendere Gemeinschaften – und dies umfasst auch den Staat – kleineren Gemeinschaften Unterstützung und Förderung zuteil werden lassen. Umgekehrt müssen sie alles „unterlassen, was den Lebensraum der kleineren und wesentlichen Zellen der Gesellschaft faktisch einschränken würde.“ (Kompendium Nr. 186)

Subsidiarität und der Wohlfahrtsstaat

Im Kompendium der Soziallehre der Kirche heißt es weiter: „Im Widerspruch zum Subsidiaritätsprinzip stehen Formen der Zentralisierung, der Bürokratisierung, des Wohlfahrtsstaates, kurz: eine ungerechtfertigte und übertriebene Präsenz des Staates und des öffentlichen Apparats.“ (Kompendium Nr. 187)

Im Anschluss zitiert das Kompendium aus „Centesimus annus“, wo es heißt: „Der Wohlfahrtsstaat, der direkt eingreift und die Gesellschaft ihrer Verantwortung beraubt, löst den Verlust an menschlicher Energie und das Aufblähen der Staatsapparate aus, die mehr von bürokratischer Logik als von dem Bemühen beherrscht werden, den Empfängern zu dienen; Hand in Hand damit geht eine ungeheure Ausgabensteigerung“ (CA 48).

Subsidiarität

Aus dem Subsidiaritäts-Prinzip folgt die Forderung nach Beteiligung (vgl. Kompendium Nr. 189). Eine umfassende Partizipation – sowohl des einzelnen wie der Gruppen – ist einerseits ein unverzichtbarer Aspekt ihrer vollen Entfaltung und dient andererseits ihrem Schutz vor übermäßigen Eingriffen in ihre inneren Angelegenheiten.

Kurzum: Das Subsidiaritäts-Prinzip soll sicherstellen, dass kleinere Gemeinschaften wie Familien und Vereine nicht durch größere Strukturen – und nicht zuletzt den Staat – hinsichtlich ihrer Kompetenzen ausgehöhlt und schlussendlich ersetzt werden.