DIe Wirkursachen einer sozialökologischen Transformation, Teil 2
Von der Subsidiarität weicht, so Andrew Willard Jones, nicht nur die Schmittsche Theorie, sondern ebenso die faktische soziale Realität in nicht unerheblichem Maße ab. Jones denkt hier spez. an die USA, doch gilt dies zweifellos ebenso für alle Länder, die Teil der – in den Worten Alasdair MacIntyres – liberalen Ordnung sind. Diese liberale Ordnung bezeichnet Jones als Oligarchie im klassischen Sinne, verstanden als eine Fusion von politischer und ökonomischer Macht, in deren Rahmen die Wohlhabenden Macht anhäufen, indem sie alle Strukturen der Macht unter den Einfluss des Wohlstandes bringen. Jones knüpft hierbei an Aristoteles an, nach dem Politik die architektonische Wissenschaft sei, insofern sie die Ziele aller anderen Wissenschaften im Lichte ihres letzten Zieles betrachtet und entsprechend ordnet. Infolge stehe die Politik einer Gesellschaft in Relation zu dem von dieser Gesellschaft sich selbst gesetzten letzten Ziel.[1]Vgl. Andrew Willard Jones, The Church against the State – On Subsidiarity and Sovereignty, newpolity.com/press Steubenville, Ohio USA 2025, S. 15.
Da eine Oligarchie nicht auf die Tugend, sondern auf Wohlstand als ihr letztes Ziel hingeordnet sei, sei die architektonische Wissenschaft einer solchen die Wirtschaftswissenschaften und sämtliche Politik operiere in deren Rahmen.[2]Vgl. ebd., S. 16. Man könnte auch sagen: die Ideologie der Oligarchie ist der Ökonomismus, unabhängig davon ob dieser nun eine wirtschaftsliberale oder eine sozialistische Form annimmt.
Der Ökonomismus und die sozialökologische Transformation
Der Ökonomismus, dessen Ziel nicht menschliches Wohlergehen, sondern materieller Wohlstand entkoppelt von einem umfassenderen menschlichen Wohlergehen ist, steht dabei im Widerspruch zur Realität, insofern in dieser menschliches Wohlergehen und damit das Prinzip der Subsidiarität tatsächlich verwirklicht ist. Die Oligarchie führt somit einen konstanten Krieg gegen menschliches Wohlergehen, gegen die Verwirklichung von Subsidiarität und damit gegen die menschliche Natur, insofern diese mit ihrer übergeordneten Zielsetzungen im Konflikt stehen.[3]Vgl. ebd., S. 17.
Sämtliche Ideologien – Jones nennt an dieser Stelle statt Ökonomismus Rassismus, Marxismus und Individualismus – würden eine Ebene der subsidiären Ordnung herauslösen, verabsolutieren und sämtliche anderen Ebenen auf diese beziehen und von dieser abhängig machen. Dies sei möglich, da alle Ebenen auf analoge Weise miteinander verbunden seien.[4]Vgl., ebd. S. 19f.
Infolge ihrer Leugnung von Subsidiarität und Gemeinwohl würden dabei sämtliche Ideologien unfähig, zwischen Strukturen der Solidarität und jenen der Ausbeutung zu unterscheiden und führen so Krieg gegen sämtliche Strukturen, die den vermeintlichen Gesetzen der jeweiligen Ideologie widersprechen.[5]Vgl. ebd., S. 17.
Dieses ideologische Denken führe etwa Friedrich August von Hayek zu der Behauptung, dass es nur Strukturen des Wettbewerbs oder aber des Zwangs und der Willkür gebe. Die darin enthaltene Implikation, dass alle hierarchischen, gemeinschaftlichen oder allgemein nicht-ökonomischen Beziehungen – so etwa auch die Familie – ausbeuterisch seien steht für Jones im Widerspruch zur tatsächlichen menschlichen Erfahrung und sei insofern ideologischer Natur. Doch geht Jones noch über den Appell an menschliche Erfahrungen hinaus, wenn er ausführt, dass selbst Strukturen der Ausbeutung logisch Solidarität voraussetzen und auf dieser aufbauen.[6]Vgl., ebd. S. 18f.
Die vorgenannten Ideologien führten infolge ihrer Verabsolutierung einzelner Ebenen der subsidiären Ordnung im Besonderen einen permanenten Krieg gegen die Freundschaft, da Freunde notwendigerweise eine Welt miteinander teilten, die größer sei als ihre Beziehung und sie deshalb auf diese Welt hin öffne, eine Welt, welche die Beschränkungen von etwa Klasse, Rasse oder Individuum aufbreche. Wahre Freundschaft sei daher der Feind der Tyrannis und sämtliche Ideologien strebten in ihrer Verabsolutierung einzelner Ebenen daher danach, persönliche durch unpersönliche Beziehungen zu ersetzen, da erstere immer zu einer Entwicklung in Richtung Subsidiarität tendierten. In diesem Kontext zitiert Jones auch Hannah Arendt.[7]Vgl. ebd., S. 21f.
Zu diesen vom Ökonomismus bekämpften Strukturen zähle alles, was nicht konstituiert sei durch eigennützige Individuen in ausgehandelten Vertragsbeziehungen, gerade auch Moral, Religionen, Familienstrukturen, Geschlechternormen, regionale Loyalitäten und selbst die Sprache. Das Ziel Liberaler etwa sei es daher, die Macht dieser Institutionen zu zerstören und sie durch eine Ausweitung von Staat und Markt zu ersetzen. Die historische Entwicklung des Liberalismus bestehe daher in einer kontinuierlichen Beschleunigung der Zentralisierung von Macht unter dem Mantel des „Fortschrittes“, um auf diesem Weg die Atomisierung des Menschen wahr werden zu lassen. Diesem Zweck diene auch die diversen kritischen Theorien, deren Funktion es sei, sämtliche Strukturen zu delegitimieren, die derzeit noch nicht von den Eliten – Behörden, Universitätsverwaltungen, Konzernbürokratien – kontrolliert würden, um sie zerstören zu können, wobei die Frage nach der Kontrolle über die Produktionsmittel zugunsten der Frage subjektiver Selbstidentifizierungen verdrängt wurde, so dass materieller Wohlstand nicht länger ein Hinderungsgrund ist, als Opfer zu gelten. Der zeitgenössische Mainstream der Linken sei daher nichts anderes als der Versuch, die von städtischen Eliten kontrollierten zentralisierten, technokratischen Strukturen zur einzigen Grundlage der Gesellschaftsordnung zu machen mit der Folge einer immer weiter zunehmenden Homogenität, die durch eine Warenvielfalt lediglich verdeckt werde.[8]Vgl. ebd., S. 23 – 26.
Die Pointe: Um eine gegen die zentrifugalen Kräfte des Liberalismus gerichtete zentralisierte Herrschaft zu schaffen, zerstören Kollektivisten Strukturen der Solidarität und erzeugen eine Masse eigennütziger Individuen und um eine Gesellschaft eigennütziger Individuen zu schaffen, ersetzen Liberale Strukturen der Solidarität mit zentralisierter Herrschaft. Das Resultat sei in der Sprache antiker Philosophen eben eine Oligarchie.[9]Vgl. ebd., S. 22. An späterer Stelle geht Jones allerdings noch einen Schritt weiter und benennt Individualisierung der Menschen und Zentralisierung politischer Macht – also das, was MacIntyre unter dem Begriff bürokratischen Individualismus zusammenfasst – als zwei Bewegungen innerhalb ein- und desselben politischen Regimes, das er mit Plato und Aristoteles als Tyrannis bezeichnet. Sozialismus und Liberalismus stünden somit auf einer grundlegenderen als der heutzutage üblicherweise betrachteten Ebene nicht für einen Systemgegensatz, sondern für zwei Seiten einer Medaille.[10]Vgl. ebd., S. 196.
Die Folge, so Jones weiter, sei jedoch immer, dass die Menschen unglücklich würden, da die Ideologien, indem sie einzelne Ebenen – die Klasse, das Volk, das Individuum – verabsolutierten, die Menschen in Konflikt brächten mit anderen Bindungen, welche diese Menschen nichtsdestotrotz zum Glücklichsein bräuchten und deshalb auch ersehnten.[11]Vgl. ebd., S. 20f.
Nichtsdestotrotz würden die Menschen in einem solchen, unserem, System – also jenem des bürokratischen Individualismus – dazu erzogen, ihr Glück in dem zu suchen, was das System ihnen verspreche, weshalb sie gerade die Befreiung aus Strukturen der Solidarität fordern würden, die ihr tatsächliches Unglück begründet. Die tatsächliche Ursache ihres Unglücks kann von ihnen aber nicht mehr wahrgenommen werden, sondern muss von ihnen auf vermeintliche Feinde ihrer Befreiung und damit des sozialen Fortschritts projiziert werden. Infolge würden Entfremdung und Konflikt zu den Strukturen jener Welt, die diese Menschen formt. Die Menschen würden somit zum Laster erzogen, nicht zur Tugend, dazu, ihre Macht auszuweiten, nicht im Dienst am Gemeinwohl, sondern an ihrem Eigennutz. Johannes Paul II. habe in diesem Zusammenhang von Konsumismus gesprochen. Es entwickle sich eine oligarchische Seele, mit Erich Fromm gesprochen ein oligarchischer Charakter.[12]Vgl. ebd., S. 23.
Wie dieser Lernprozess, der etwa darin mündet, Familie als einen Zusammenschluss rechtlicher personae und nicht als integralen Bestandteil des eigenen Personseins zu sehen, aussieht, beschreibt Jones an der Kultivierung von Gier. Die Annahme, Menschen seien gierig führt zur Schaffung eines Apparats, der einen „friedlichen“ und profitablen Weg zu gierigem Verhalten eröffnet, der wiederum Menschen tiefer in das Laster der Gier führt, wodurch wiederum der gesamte Mechanismus bestätigt erscheint.[13]Vgl. ebd., S. 46f.
Hierarchien der Subsidiarität oder Strukturen der Solidarität entwickeln sich, so Jones, aus einem Volk, das auf die Wahrheit und somit auf wahres Glück hin orientiert sei. Eine glückliche Familie sei zugleich das, was glückliche Menschen hervorbringe und was glückliche Menschen schaffen würden. Dies gelte genauso für alle anderen Gesellschaftsstrukturen der Solidarität. Glückliche Menschen bilden, so Jones, dezentralisierte und pluralistische Gesellschaften aufsteigender Autorität, weil es das sei, was Menschen glücklich mache. Die Zerstörung dieser Strukturen und ihre Ersetzung durch Strukturen des Eigeninteresses seien dementsprechend ebenso Resultat wie Ursache sozialen Unglücklichseins.[14]Vgl. ebd., S. 272.
Da jedoch Subsidiarität die Form der menschlichen Natur sei und auch verdorbene Regime die Natur nur stören, aber nie überwinden könnten, sei Subsidiarität immer zu einem gewissen Grad präsent. Aus diesem Grund sei es überhaupt nicht erforderlich, mit den herrschenden oligarchischen Eliten um die Macht zu ringen, wie dies in der Antike die damaligen Demokraten taten, nur um am Ende einer populistischen Tyrannis den Weg zu bahnen. Vielmehr gehe es darum, zunächst jene Strukturen der Freundschaft zu identifizieren, die noch existieren, und diese dann zu kultivieren und auszuweiten. Aufgrund des Wesens der Subsidiarität sei dies auf jeder Ebene der Gesellschaftsordnung möglich – in unseren Familien, Gemeinschaften, Pfarreien und Städten. So könne man die Bedingungen der Möglichkeit einer Konversion des größeren Ganzen schaffen.[15]Vgl. ebd., S. 27.
Tyrannische Gesellschaftsstrukturen seien schwach, so Jones, weil sie nur durch ungeordnete Leidenschaften und der ungeordnete Angst, die diese produzieren, operierten. Die Knechtschaft gegenüber der Sünde führe immer zur Knechtschaft unter Menschen. So seien Tyrannen eine gerechte Strafe Gottes. Wir würden sie verdienen, weil wir es seien, die sie erschaffen würden. Zugleich eröffne dies aber auch einen Pfad zum Widerstand gegen sie und schaffe Hoffnung für eine Gesellschaftsreform. Die Kultivierung von Tugenden unter Freunden, die Wiederbekräftigung der Vater-Sohn-Beziehung sowie der Fokus auf das sakramentale Leben der Pfarrgemeinde seien daher keine Rückzugsfechte, sondern die vorderste Front im Kampf für eine gerechte Gesellschaft gegen Foucaults Gesellschaft der Herrschaft.[16]Vgl. ebd., S. 132.
An anderer Stelle nennt Jones familienartige Beziehungen die grundlegende Norm einer wahrhaft christlichen Sozialvision und spricht von deren immer weiter gehenden Ausdehnung bis diese die ganze Gesellschaft umfasst. In einer solchen Gesellschaft wären Konflikte nicht abwesend, aber sie wären – anders als im liberalen Status quo – ein Riss im sozialen Gewebe und nicht die Fäden, welche dieses ausmachen.[17]Vgl. ebd., S. 55f.

In Rückgriff auf Thomas von Aquin weist Jones darauf hin, dass es zwei Formen von Macht gebe: gerechte und ungerechte Macht. Gerechte Macht diene dem Wohl, der Emporhebung, desjenigen, über den Macht ausgeübt wird. Als klassisches Beispiel nennt Jones die Vater-Sohn-Beziehung. Ungerechte Macht diene dem Nutzen des Machthabenden und gehe mit Ausbeutung einher. Das klassische Beispiel hierfür sei das Verhältnis von Herr und Sklave. Wie Jones hervorhebt hat die ethische Unterscheidung unmittelbare systemische und strukturelle Implikationen. Im Verfolgen ihrer Ziele schaffen Menschen soziale Strukturen. Erstrebe jemand, der Macht hat, Gerechtigkeit, schaffe er mit seiner Macht gerechte soziale Strukturen. Erstrebe er dagegen Ungerechtigkeit, erschaffe er mit der Zeit ungerechte Strukturen. Die Gesellschaftsstruktur, so Jones, sei direkt verbunden mit den verfolgten Zielen. Der Liberalismus schaffe demnach notwendigerweise ungerechte Strukturen, da der Liberalismus von einem individualistischen Menschenbild ausgehe, wonach jeder nur seinem jeweiligen Eigennutz diene und sich nur zum eigenen Nutzen mit anderen zusammenschließe, sei es zu Unternehmen, sonstigen Vereinigungen oder zu Staaten.[18]Vgl. ebd., S. 265f.
Als Fazit kann man sagen: Die zweite Wirkursache einer aristotelischen Bildungs- und Erziehungsreform, einer sozialökologischen Transformation nach Alasdair MacIntyre besteht nach Jones darin, die uns real zur Verfügung stehende Macht dazu zu nutzen, jene, die uns mit ihr anvertraut sind, tiefer in die Tugend hineinzuführen. Dies bringe dann auch von selbst früher oder später die entsprechenden Strukturen und Institutionen hervor. Der entscheidende Punkt liegt dabei darin, dass es nicht erforderlich ist, sich zunächst entsprechende Strukturen und Institutionen auszudenken und dann auf deren Verwirklichung hinzuarbeiten, sondern man mit dem beginnen kann, was bereits vorhanden ist, um die Tugenden hier und jetzt in unseren Familien, Freundeskreisen und Gemeinden zu fördern. Es braucht keinen großen Plan oder die durchschlagende Strategie. Vor allem braucht es auch keine zentrale Organisation oder die Übernahme politischer Macht im engeren Sinne, das heißt staatlicher Macht. Da jeder in irgendeiner noch so rudimentären Form Macht über andere hat, folgt dies dem Ansatz des Empowerment, denn jeder kann in dieser Weise auf eine sozialökologische Transformation und eine aristotelische Bildungs- und Erziehungsreform hinarbeiten.
Tugendvermittlung und der Ausbau von Strukturen der Solidarität
Wie gesehen bedeutet dies zu allererst, zur Übung der Barmherzigkeit (und Demut) anzuregen, das heißt dazu, jeden anderen als Freund anzusehen und zu behandeln. In Anlehnung an Guardinis Gedanken zu einer aristotelischen Bildungs- und Erziehungsreform bedeutet es aber darüber hinaus, jene, über die wir Macht haben – und jeder von uns hat in irgendeiner Weise Macht über andere – zu Gewissenserforschung, dem Fragen nach dem Wesen der Dinge, Selbstüberwindung und Sakramentenempfang oder doch dem Fragen nach Gott anzuregen. Dies aber bedeutet, an ihr Verantwortungsgefühl, ihre intellektuelle Neugier, ihre Willensstärke und Selbstachtung sowie ihre Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit zu appellieren.
Wie D. C. Schindler in einem Beitrag für Communio deutlich gemacht hat, geht es dabei um nicht weniger als die Initiierung einer Herzensbekehrung, die am besten auf dem Weg des persönlichen Vorbilds,[19]Vgl. Rocco Buttigliones Hinweis in Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative – How History is formed in the Dephts of the Peoples, übersetzt von Andrew Bernetsky mit Reuben Slife, hg. von … Continue reading über Rituale, Geschichten und Bilder erfolgt,[20]Vgl. D. C. Schindler, The symbolic Formation of the Heart: On the Art of Conversion, in: Communio 52 (Summer 2025). © 2025 by Communio: International Catholic Review. wozu gerade auch die, zuletzt von Papst Franziskus in Dilexit nos empfohlene,[21]Vgl. Dilexit nos Nr. 63 und Nr. 86. Volksfrömmigkeit etwa mit Wallfahrten, Prozessionen, Kreuzwegandachten oder dem Rosenkranzgebet reichlich Ansatzpunkte bietet. Dies trifft sich mit Alasdair MacIntyres später Betonung von Geschichten für die Entwicklung einer transformativen politischen Vorstellungskraft.[22]Vgl. Alasdair MacIntyre, Ethics in the Conflicts of Modernity – An Essay on Desire, Practical Reasoning and Narrative, Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom 2016, S. 236 – 238, … Continue reading Paul Kingsnorth zitiert in diesem Sinne Robert Bly. [23]Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine – On the Unmaking of Humanity, Penguin Random House LLC New York USA 2025, S. 147.
Was hier also gefragt ist, ist letztlich, wie Rocco Buttiglione ausgeführt hat, die Kunst der Rhetorik, nicht missverstanden als Manipulation, sondern als Unterstützung bei der Entdeckung der Wahrheit ausgehend von den je vorhandenen persönlichen Voraussetzungen, ihren Freuden und Sorgen, und deren Wirksammachung in einer konkreten Lebensweise.[24]Vgl. Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative, S. 43, 81f. Es geht um die Rhetorik als eine Kunst des Sprechens, die, um verstanden zu werden, zunächst einmal wahrnehmen, „hören“ muss, wo der andere steht und wo man ansetzen kann.[25]Vgl. ebd. S. 276f. Wie Buttiglione an anderer Stelle ausführt, bindet uns eine erkannte Wahrheit, doch ihre Anerkennung ist ein Akt der Freiheit, die sich der Wahrheit auch verweigern kann und die deshalb überzeugt werden muss.[26]Vgl. ebd., S. 185.
Wie gesehen gehört es aber auch dazu, da, wo man über die entsprechende Autorität verfügt, Lastern durch Sanktionen entgegenzutreten, um so zumindest indirekt zur Tugendübung zu prädisponieren, aber zumindest Unschuldige zu schützen.
In einem zweiten Schritt müssen sodann auch jene Strukturen der Freundschaft – in MacIntyres Diktum: Gemeinschaften des Gebens und Empfangens, Kingsnorth spricht von einer moralischen Wirtschaft[27]Vgl. Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine, S. 278 – 284. – die es bereits gibt, identifiziert, vertieft und ausgeweitet werden, etwa auf kommunaler Ebene über lokale gemeinwohlorientierte Initiativen. In anderen Worten: Es gilt, die Kirche, das Reich Gottes, aufzubauen. Nach Rocco Buttiglione[28]Vgl. Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative, S. 273. ist dies – sowie die Initiierung einer Herzensbekehrung[29]Vgl. ebd., S. 80 – 82. – die Sendung des missionarischen Jüngers, den uns Papst Franziskus in seinem Nachsynodalen Schreiben Evangelii Gaudium als Vorbild vor Augen gestellt hat.[30]Vgl. Evangelii Gaudium Nr. 119 – 121. Dies heißt auch, die erste Wirkursache einer sozialökologischen Transformation aufgreifend, dass die Beratung unter Freunden in eine entsprechende Beschlussfassung und Umsetzung münden soll.
References[+]
| ↑1 | Vgl. Andrew Willard Jones, The Church against the State – On Subsidiarity and Sovereignty, newpolity.com/press Steubenville, Ohio USA 2025, S. 15. |
|---|---|
| ↑2 | Vgl. ebd., S. 16. |
| ↑3 | Vgl. ebd., S. 17. |
| ↑4 | Vgl., ebd. S. 19f. |
| ↑5 | Vgl. ebd., S. 17. |
| ↑6 | Vgl., ebd. S. 18f. |
| ↑7 | Vgl. ebd., S. 21f. |
| ↑8 | Vgl. ebd., S. 23 – 26. |
| ↑9 | Vgl. ebd., S. 22. |
| ↑10 | Vgl. ebd., S. 196. |
| ↑11 | Vgl. ebd., S. 20f. |
| ↑12 | Vgl. ebd., S. 23. |
| ↑13 | Vgl. ebd., S. 46f. |
| ↑14 | Vgl. ebd., S. 272. |
| ↑15 | Vgl. ebd., S. 27. |
| ↑16 | Vgl. ebd., S. 132. |
| ↑17 | Vgl. ebd., S. 55f. |
| ↑18 | Vgl. ebd., S. 265f. |
| ↑19 | Vgl. Rocco Buttigliones Hinweis in Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative – How History is formed in the Dephts of the Peoples, übersetzt von Andrew Bernetsky mit Reuben Slife, hg. von Reuben Slife, New Polity Press Steubenville Ohio USA 2025, S. 184, 268, dass Glaube durch Heiligkeit mitgeteilt werde. |
| ↑20 | Vgl. D. C. Schindler, The symbolic Formation of the Heart: On the Art of Conversion, in: Communio 52 (Summer 2025). © 2025 by Communio: International Catholic Review. |
| ↑21 | Vgl. Dilexit nos Nr. 63 und Nr. 86. |
| ↑22 | Vgl. Alasdair MacIntyre, Ethics in the Conflicts of Modernity – An Essay on Desire, Practical Reasoning and Narrative, Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom 2016, S. 236 – 238, 243ff. |
| ↑23 | Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine – On the Unmaking of Humanity, Penguin Random House LLC New York USA 2025, S. 147. |
| ↑24 | Vgl. Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative, S. 43, 81f. |
| ↑25 | Vgl. ebd. S. 276f. |
| ↑26 | Vgl. ebd., S. 185. |
| ↑27 | Vgl. Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine, S. 278 – 284. |
| ↑28 | Vgl. Rocco Buttiglione, Modernity’s Alternative, S. 273. |
| ↑29 | Vgl. ebd., S. 80 – 82. |
| ↑30 | Vgl. Evangelii Gaudium Nr. 119 – 121. |