Widerstand gegen den Leviathan

Lewis Mumford positioniert sich in „Der Mythos der Maschine“[1]Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978. auch zur Frage, wie ein Widerstand gegen die Megamaschine gelingen kann bzw. genauer: wie eine ganzheitliche menschliche Entwicklung möglich ist.

Fehlgeleiteter und unzureichender Widerstand gegen den Leviathan

Die moderne Makkabäer-Option in Form des Marxismus verwirft er dabei. Dieser habe die Prämissen des Megasystems übernommen und könne dieses somit nicht überwinden, sondern lediglich reproduzieren. So gesehen handelt es sich bei ihm um eine Pseudo-Alternative.[2]Vgl. ebd., S. 738 – 741.

Die Popart-Künstler, Surrealisten und Dadaisten wiederum hätten nach Mumford ihre Chance, eine prophetische Stimme ihrer Zeit sein zu können, verspielt und seien zu Hofnarren und Profiteuren des Systems geworden.[3]Vgl. ebd., S. 749 – 755.

Auch die von den Aussteigern der 1960er Jahren gewählte Exodus-Option wird von Mumford kritisch gesehen. Ihr Leben sei bereits auf subtile Weise von der Megamaschine vereinnahmt worden.[4]Vgl. ebd., S. 761.

In der – zur Zeit der Abfassung des Buches aktuellen – Studentenbewegung der 1960er Jahre sieht Mumford eine späte, doch nötige Revolte gegen eine machtbesessene Zivilisation,[5]Vgl. ebd., S. 760. deren Methoden jedoch nichtsdestotrotz der Machtkomplex seinen Stempel aufgeprägt habe[6]Vgl. ebd., S. 762. und die darüber hinaus einen Fehler begangen habe mit der „Auffassung, man müsse, um das vorhersehbare Unheil, das der Machtkomplex heraufbeschwört, abzuwenden, die gesamte historische Zivilisation zerstören und auf einer ganz neuen Grundlage wieder von vorne beginnen.“[7]Vgl. ebd., S. 796. Vgl. hierzu ebenso Paul Kingsnorth, Against the Machine – On the Unmaking of Humanity, Penguin Random House LLC New York USA 2025, S. 314f.

Ein neues Weltbild, eine neue Metaphysik

Die wesentlichste Veränderung sieht Mumford allerdings – seinem bisherigen Deutungsmuster sozialen Wandels getreu – auf weltanschaulicher Ebene sich bereits bahnbrechen. Wie die Erkenntnisse im Bereich der Physik und der Astronomie zu Beginn der Neuzeit einem neuen mechanistischen Weltbild den Weg ebneten, so brächten Erkenntnisse im Feld der Biologie ein neues organisches Weltbild hervor. Zugleich sieht Mumford jedoch auch die Tendenz seitens der „Exponenten des Machtsystems“ dieses neue Weltbild im Sinne des alten zu vereinnahmen. Was er damit meint, wird heute unter dem Schlagwort des Transhumanismus verhandelt.[9]Vgl. ebd., S. 768.

Dennoch:

„Die große Revolution, die wir brauchen, um die Menschheit vor den drohenden Angriffen der Beherrscher der Megamaschine auf das Leben zu schützen, verlangt vor allem eine Ersetzung des mechanischen Weltbilds durch ein organisches“[10]Ebd., S. 784.

Wer seine Hoffnungen auf technische Verbesserungen setze, sehe nur einen kleinen Teil des Problems (vgl. Caritas in Veritate Nr. 68ff.)), es brauche vielmehr „eine grundlegende Umorientierung unserer vielgerühmten technologischen Lebensweise…eine…weitreichende Veränderung der menschlichen Wünsche, Gewohnheiten und Ideale“ (vgl. Laudato Si‘ Nr. 26.).[11]Ebd., S. 807.

Das neue, sich bahnbrechende Weltbild, so Mumford geht von lebenden Organismen aus statt von leblosen Körpern, die rein mechanisch aufeinander wirken. Mumford verbindet diese Sicht mit dem Begriff der Ökologie.[12]Vgl. ebd., S. 775f. Tatsächlich sei einer der frühesten Vertreter dieses Weltbildes Charles Darwin gewesen, dessen Denken jedoch teilweise durch den zeitbedingten Einfluss des viktorianischen Kapitalismus und Kolonialismus geprägt gewesen sei, wodurch dem mechanistischen Weltbild mit dem Sozialdarwinismus „eine neue Nuance kaltblütiger Brutalität“ hinzugefügt worden sei.[13]Vgl. ebd., S. 776f, 782f.

Widerstand gegen den Leviathan

Einen der besonderen positiven Beiträge Darwins sieht Mumford darin, den traditionell aristotelischen Vorrang des Ganzen gegenüber den Teilen wiedereingeführt zu haben, den das mechanistische Weltbild in sein Gegenteil verkehrt hatte.[14]Vgl. ebd., S. 779. Wie Etienne Gilson deutlich machte,[15]Etienne Gilson, „From Aristotle to Darwin and back again. A journey in final causality, species and evolution“, Ignatius Press San Francisco 2009. bedeutet dies eine Wiederauferstehung teleologischen Denkens – auch wenn dies Darwin selbst noch nicht so gesehen haben mag. Auch Mumford geht hierauf nicht eigens ein.

Das neue, ökologische Weltbild sei gleichermaßen offen für Vergangenheit wie Zukunft. In der, der Evolution eigenen, Vorwärtsbewegung fände kein Bruch mit der Vergangenheit statt, vielmehr sei dieser in Gegenwart und Zukunft bleibend enthalten.[16]Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 781.

„Jedes Denken, das diese Bezeichnung verdient, muß [sic] heute ökologisch sein, in dem Sinne, daß [sic]  es die organische Vielfalt anerkennt und nutzt und jede Veränderung nicht nur den Bedürfnissen des Menschen oder einer einzelnen Generation, sondern auch denen all seiner organischen Partner und aller Teile seines Lebensraums anpaßt [sic]… Wenn wir die Megamaschine daran hindern wollen, weiterhin jeden Aspekt der menschlichen Kultur zu kontrollieren und zu deformieren, dann werden wir dazu nur mit Hilfe eines völlig anderen Modells imstande sein, das nicht von Maschinen, sondern unmittelbar von lebenden Organismen und organischen Komplexen (Ökosystemen) abgeleitet ist. Die beobachtbaren, abstrahierbaren, meßbaren [sic] Aspekte müssen ergänzt werden durch jene Lebensfakten, die nur im Lebensprozeß [sic] selbst erkannt werden können“[17]Ebd., S. 784 – 786.

Fülle statt Macht, Akt statt Potens

Welche Konsequenzen hätte dies? In der Ökonomie verlange dies einen Übergang von der rein quantitativ ausgerichteten Überflussökonomie („abundance“) zu einer qualitativ bestimmten Ökonomie der Fülle. Aristotelisch könnte man das hier gemeinte wohl auch als eine an der Eudaimonie orientierte Ökonomie bezeichnen.[18]Ebd., S. 787f: „Wenn ein organisches Weltbild sich durchsetzt, dann wird das praktische Ziel einer Ökonomie der Fülle nicht darin bestehen, die Maschine mit noch mehr menschlichen Funktionen zu … Continue reading

Die Megatechnik erfordere Veränderung um der Veränderung willen. Unter dieser Prämisse könne sich Leben aber nicht entwickeln. „In Organismen steht Macht immer in einem bestimmten Verhältnis zu Funktion und Zweck“,[19]Ebd., S. 789. das heißt sie sind teleologisch geordnet. Demgegenüber sind „die Hauptattribute einer Machtökonomie – die ausschließliche Vergrößerung und Erweiterung der Macht und das Fehlen von Differenzierungen, Begrenzungen und Einschränkungen – das Gegenteil derer eines organischen Systems.“[20]Ebd.

Widerstand gegen den Leviathan

Was auffällt in diesem Zusammenhang ist die Kontrastierung von Macht und Fülle. Das mechanistische Weltbild ist demnach auf Macht, ihren Erwerb und Gebrauch, orientiert. In der Terminologie aristotelischer Philosophie formuliert: In seinem Zentrum steht die potentia, die mit und nach Descartes durch den Verlust der Unterscheidung von potentia activa und potentia passiva einen, wie D. C. Schindler hervorhob, zutiefst ambivalenten Charakter angenommen hat, insofern Macht (potentia activa) und Möglichkeit (potentia passiva) unvermittelt nebeneinander stehen. Die Zentrierung auf potentia (Macht) zielt demnach auf eine Vervielfältigung der Potentialitäten (Möglichkeiten) = Überfluss. Möglichkeiten sind jedoch gekennzeichnet durch einen Mangel an Sein, denn es mangelt ihnen an Aktualisierung. Das ist gerade das, was potentia passiva und Akt voneinander unterscheidet. Der Fokus auf die Vervielfältigung von Möglichkeiten bedeutet eine Absage an die Aktualisierung bestehender Möglichkeiten, denn jede Aktualisierung einer Möglichkeit bedeutet die Exklusion anderer Möglichkeiten und damit die Reduzierung von Möglichkeiten, das, was Mumford Begrenzungen und Einschränkungen nennt. Die Machtzentrierung erfordert also die Suspension der Aktualisierung von Möglichkeiten und damit eine Vermehrung des Mangels an Sein. Wir stoßen hier auf den metaphysischen Grund der von Mumford konstatierten Todesorientierung unserer, in den Worten Johannes Pauls II., Kultur des Todes, wie sie sich paradigmatisch in der Abtreibung zeigt, in der das tatsächliche menschliche Leben des Kindes dem Offenhalten von Möglichkeiten der Mutter geopfert wird. Analog hierzu steht die Opferung der tatsächlichen Biodiversität für die Vervielfältigung der Kauf- und Konsummöglichkeiten. Eine auf Fülle hingeordnete Weltsicht zielt demgegenüber auf Aktualisierung um den Preis der Exklusion nicht verwirklichter Potentialitäten. Mit anderen Worten: Leben erfordert Grenzen. Im Zentrum des organischen Weltbildes steht somit der Akt, das Tatsächliche gegenüber dem rein Möglichen. Der Unterschied zwischen mechanistischem und organischem Weltbild, das heißt kausal oder teleologisch bestimmten Weltbild, erweist sich somit ebenso als der Unterschied zwischen einem Weltbild, das der Potens den Vorrang einräumt, und einem Weltbild, das dem Akt den Vorrang einräumt. Nach D. C. Schindler ist es der Unterschied zwischen einer liberalen und einer aristotelischen Metaphysik.[21]Vgl. D. C. Schindler, Freedom from Reality: The Diabolical Character of Modern Liberty (Catholic Ideas for a Secular World), ‎ University of Notre Dame Press, Notre Dame Indiana USA 2019. Hier wird … Continue reading

Praktische Konsequenzen

Das Ziel ist dabei nach Mumford nicht ein Zurück in eine technologische Primitivität, sondern ein Vorwärts in eine neue Fülle.

„Organische Fülle ist daher in keinem Sinne als rein quantitativer Überfluß [sic] zu definieren, noch weniger als ungezügelte Produktivität, ungehemmter Aufwand und gedankenloser Konsum. In einer Ordnung der Fülle gibt es Überfluß  [sic] an manchem, aber nicht an allem: Sie gestattet sehr hohe Ausgaben zur Befriedigung der höheren Bedürfnisse des Menschen nach Wissen, Schönheit oder Liebe – wie in der Parabel vom Öl, mit dem Jesus gesalbt wurde –, während sie äußerste Sparsamkeit bei Ausgaben für weniger wertvolle Zwecke erfordert. Emersons Ratschlag, auf niedriger Ebene zu sparen und auf hoher mehr auszugeben, ist genau der Kern dieser Auffassung.“[22]Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 794.

Dies erfordert eine Grundsatzentscheidung, ja nicht weniger als eine regelrechte Bekehrung: die Entscheidung, „die lebensverneinenden Ideen und Methoden des Machtsystems“ aufzugeben und „eine bewußte [sic] Anstrengung…auf allen Ebenen und in jeder Art von Gemeinschaft nicht für die Steigerung der Macht zu leben…Nicht wissenschaftlicher Fortschritt oder Förderung der Macht, sondern Förderung des Lebens und des Geistes ist das Ziel.“[23]Ebd., S. 795.

Als einige Konsequenzen eines Prinzips der Fülle benennt Mumford:

– Gleichgültigkeit gegenüber materiellen Anreizen

– Verzicht auf Selbstreklame

– Vielseitige Interessen

– Bewusste Verlangsamung des industriellen wie intellektuellen Produktionstempos

– neuerliche Konzentration auf die höheren Funktionen des Menschen und auf kulturelle Werte

– aktive Bekämpfung der Macht

– Befreiung von der lebenslangen Bindung an eine einzige Beschäftigung[24]Ebd., S. 797. Mumford fordert nicht weniger, sondern abwechslungsreichere Arbeit. Bezüglich der Verlangsamung des Produktionstempos, die er wiederum kausal mit der Aufhebung der Berufsschranken … Continue reading

Massenorganisationen und –propaganda hält Mumford dabei für ungeeignet, den Leviathan in die Knie zu bringen. Das Machtsystem würde auf diese Weise nicht geschwächt, sondern gestärkt. Er setzt eher auf „das Werk mutiger Einzelpersonen, kleiner Gruppen und Gemeinden, die an den Rändern der Machtstruktur nagen, indem sie mit alten Gepflogenheiten brechen und gegen die Spielregeln verstoßen. Ein solcher Angriff sucht die Zitadelle der Macht nicht zu erobern, sondern zu umgehen, in aller Stille lahmzulegen.“[25]Ebd., S. 801. Man könnte sagen, es geht – in den Worten von Peter Maurin – darum, eine „neue Gesellschaft in der Schale der alten zu bauen“.

Mumford spricht sich also letztlich für die von Andrew Willard Jones und Paul Kingsnorth[26]Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine, S. 273ff. skizzierte Strategie aus. Im Bild der Optionen für einen Widerstand gegen den Leviathan votiert Mumford damit eine Kombination aus Jeremia-, Amos- und Nehemia (I+II)-Option.

Kingsnorth spricht seinerseits zwar von einem Exodus, versteht diesen jedoch eher als einen innerlichen Prozess, der an die Amos-Option erinnert. Es gehe darum den Mythos [der Maschine bzw. des Leviathan] nicht länger zu glauben, ihn nicht mehr anderen zu erzählen und sich auf die Suche nach einer besseren Erzählung zu machen.[27]Vgl. ebd., S. 42. Vgl. die Bedeutung von Geschichten für die Tugendvermittlung als eine Wirkursache der sozialökologischen Transformation.

Auch Mumfords Werk gipfelt in einer Aussage, die wie ein Echo der von ihm geschilderten Amos-Option klingt:

„Die dringliche Aufgabe des Menschen besteht heute nicht darin, weitere Mißbräuche [sic] des Machtsystems zu erdulden, sondern sich davon loszulösen und die subjektiven Kräfte zu pflegen wie nie zuvor…Jeder von uns kann, solange das Leben sich in ihm regt, in der Befreiung vom Machtsystem eine Rolle spielen, indem er in stillen Akten geistiger und physischer Lossagung – in Gesten der Nichtübereinstimmung, der Enthaltung, der Selbsteinschränkung und -hemmung, die ihn der Herrschaft des Macht-Pentagons entziehen – seinen Primat als Person geltend macht-…Ist auch keine unmittelbare und vollständige Rettung vor dem Machtsystem möglich, am wenigsten durch Massengewalt, so liegen doch die Veränderungen, die dem Menschen Autonomie und Initiative wiedergeben werden, in der Reichweite jeder einzelnen Seele, wenn sie erst einmal aufgerüttelt ist. Nichts könnte dem Mythos der Maschine und der enthumanisierten Gesellschaftsordnung, die er hervorgebracht hat, gefährlicher werden als ein stetiger Entzug des Interesses, eine stetige Verlangsamung des Tempos, eine Beendigung der sinnlosen Gewohnheiten und gedankenlosen Handlungen.“[28]Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 828 – 832.

Was benötigt werde sei, „Macht durch Fülle, äußerliche Zwangsrituale durch innerliche Selbstdisziplin, Entpersönlichung durch Persönlichkeitsbildung, Automation durch Autonomie zu ersetzen“.[29]Ebd., S. 832.

Diese wird dadurch unterstützt, dass das sich laut Mumford bahnbrechende neue, organische Weltbild in seinen Grundzügen nichts anderes ist als das alte, aristotelische Weltbild mit seiner Teleologie und seiner Priorisierung des Aktes gegenüber der Potens. Diesem korrespondiert in politisch-sozialer Hinsicht eine Dezentralisierung mit nichtsdestotrotz globaler Integration – eine subsidiäre Ordnung (vgl. Caritas in Veritate Nr. 67) als Alternative zum Leviathan.[30]Vgl. ebd., S. 801. Mumfords menschheitsgeschichtlicher Ansatz zeigt, dass es entsprechende Umbrüche immer wieder gab, wenn auch stets nur in einem länger andauernden Prozess. 

References

References
↑1Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978.
↑2Vgl. ebd., S. 738 – 741.
↑3Vgl. ebd., S. 749 – 755.
↑4Vgl. ebd., S. 761.
↑5Vgl. ebd., S. 760.
↑6Vgl. ebd., S. 762.
↑7Vgl. ebd., S. 796. Vgl. hierzu ebenso Paul Kingsnorth, Against the Machine – On the Unmaking of Humanity, Penguin Random House LLC New York USA 2025, S. 314f.
↑8Ebd., S. 763.
↑9Vgl. ebd., S. 768.
↑10Ebd., S. 784.
↑11Ebd., S. 807.
↑12Vgl. ebd., S. 775f.
↑13Vgl. ebd., S. 776f, 782f.
↑14Vgl. ebd., S. 779.
↑15Etienne Gilson, „From Aristotle to Darwin and back again. A journey in final causality, species and evolution“, Ignatius Press San Francisco 2009.
↑16Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 781.
↑17Ebd., S. 784 – 786.
↑18Ebd., S. 787f: „Wenn ein organisches Weltbild sich durchsetzt, dann wird das praktische Ziel einer Ökonomie der Fülle nicht darin bestehen, die Maschine mit noch mehr menschlichen Funktionen zu füttern, sondern darin, die unermeßlichen [sic] Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und Selbsttranszendierung des Menschen weiterzuentwickeln, indem der Mensch bewußt [sic] viele der Aufgaben wieder auf sich nimmt, die er allzu sorglos dem mechanischen System übergeben hat.“
↑19Ebd., S. 789.
↑20Ebd.
↑21Vgl. D. C. Schindler, Freedom from Reality: The Diabolical Character of Modern Liberty (Catholic Ideas for a Secular World), ‎ University of Notre Dame Press, Notre Dame Indiana USA 2019. Hier wird auch ein Manko von Mumfords Ausführungen deutlich: Sämtliche von ihm geschilderten sozialen Transformationen hatten Theologien in ihrem Zentrum: die Vegetationsgottheiten der Jungsteinzeit, die Himmelsgottheiten der Bronze- und Neuzeit, Jesus Christus im Mittelalter – nur das neu aufziehende, vom organischen Weltbild geprägte Zeitalter hat bei Mumford hier eine Leerstelle.
↑22Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 794.
↑23Ebd., S. 795.
↑24Ebd., S. 797. Mumford fordert nicht weniger, sondern abwechslungsreichere Arbeit. Bezüglich der Verlangsamung des Produktionstempos, die er wiederum kausal mit der Aufhebung der Berufsschranken verknüpft, erklärt er an späterer Stelle (S. 801f), dass diese hauptsächlich überflüssige Güter betreffen würde und dies für eine Ökonomie der Fülle notwendig sei, wenn diese den selektiven Gebrauch von Gütern und die Ablehnung von Ungutem fördern solle. Eine Verlangsamung sei aber auch nötig, um die Freizeit zu sichern, die zur Herstellung engerer menschlicher Beziehungen notwendig sei. Zudem bewirke sie innere Stabilität und sei nötig für „die höchsten Funktionen des Geistes, indem sie jenes zweite Leben erschließt, das man in Überlegungen, Betrachtungen und Selbstprüfung verbringt“, also die Gewissenserforschung als ein Element der aristotelischen Bildungs- und Erziehungsreform.
↑25Ebd., S. 801.
↑26Vgl. Paul Kingsnorth, Against the Machine, S. 273ff.
↑27Vgl. ebd., S. 42. Vgl. die Bedeutung von Geschichten für die Tugendvermittlung als eine Wirkursache der sozialökologischen Transformation.
↑28Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 828 – 832.
↑29Ebd., S. 832.
↑30Vgl. ebd., S. 801.