Formen des Widerstandes gegen den Leviathan

Wie Lewis Mumford deutlich macht, konnte der antike Leviathan nur bestehen, aufgrund der unzweifelhaften Vorzüge, die er mit sich brachte,[1]Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978, S. 218, 240 – 243 sowie durch die Übertragung der Lebensweise des Dorfes auf das größere Gemeinwesen, die ihm zusätzliche Legitimität verschaffte.[2]Vgl. ebd., S. 212 – 214, unter anderem S. 214: „Die Güte des Herrschers, die in ägyptischen Schriften betont wird, geht einher mit seiner ausgesprochenen Fähigkeit, Schrecken zu verbreiten und … Continue reading

Dennoch erwies sich der Leviathan für herrschende Minderheit wie beherrschte Mehrheit als zunehmend unattraktiv, so dass sich – verstärkt in der Achsenzeit – entsprechender Widerstand formierte.[3]Vgl. ebd., S. 294f.

Lewis Mumfords dritter Beitrag zur Frage nach einer ganzheitlichen Ökologie besteht demnach in so etwas wie einer Rohmaterialsammlung zur Klassifizierung der verschiedenen Formen, die der Widerstand gegen den Leviathan im Laufe der Zeit angenommen hat. In Anlehnung an verschiedene biblische Quellen lässt sich anhand des von Mumford präsentierten Materials nachfolgende Klassifizierung gewinnen:

1. Die Exodus-Option

Das räumliche Ausweichen durch Auswanderung oder Aussteigen, wie es in der Spätantike auch die Bewegung der Wüstenväter praktizierte oder in jüngerer Zeit die Hippie-Bewegung.[4]Vgl. ebd., S. 263: „Von frühesten Zeiten an gibt es Hinweise auf Empörung, Widerstand, Ausweichen, Flucht: All das findet man in der klassischen Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten.“

„Da die Ingangsetzung einer solchen Maschine einer großen Zahl menschlicher Arbeitskräfte bedurfte, konnte sie sich nur in wenigen prosperierenden Ackerbauregionen entwickeln, die für die städtische Zivilisation geeignet waren, mit deren Möglichkeiten, eine zahlreiche Bevölkerung auf kleinem Raum zu erhalten und zur Arbeit zu zwingen. Ohne diesen stetigen Zustrom von Arbeitskräften konnte die Maschine so wenig funktionieren wie eine Wassermühle an einem ausgetrockneten Fluß [sic]…Kurz, eine Miniatur-Megamaschine ist ein Widerspruch in sich, fast ein komisches Konzept, abgesehen selbst von der Schwierigkeit, in kleineren Gemeinschaften die nötige Entsozialisierung und Entpersönlichung der einzelnen Elemente zu erzielen.“[5]Ebd., S. 269.

2. Die Jeremia-Option

Der Rückzug in das häusliche und familiäre Leben (vgl. Jer. 29) als ein antikes Biedermeier.

„Selbst wenn kein kollektives Ausweichen möglich war, erwiesen sich die täglichen Vorgänge auf dem Bauernhof, in der Werkstatt, auf dem Marktplatz sowie die Stärke der Familienbindungen und des regionalen Zusammengehörigkeitsgefühls und die Verehrung kleinerer Götter als geeignet, das System der totalen Herrschaft zu schwächen.“[6]Vgl. ebd., S. 263.

Widerstand

3. Die Amos-Option

Eine von Einzelpersonen und kleinen Gruppen ausgehende ethisch-spirituelle Umorientierung, die gleichermaßen mit den Exzessen – und Vorzügen – des bronzezeitlichen Leviathans wie mit den Einseitigkeiten neolithischer Dorfkultur brach. Mumford nennt hier neben dem namensgebenden Amos unter anderem Sokrates, Buddha, Konfuzius, aber auch Jesus Christus und Paulus.

„Die Revolte begann im Geist, und sie ging in aller Stille daran, die materialistischen Annahmen zu bestreiten, die das menschliche Wohlergehen und den Willen der Götter mit zentralisierter politischer Macht, militärischer Vorherrschaft und wachsender ökonomischer Ausbeutung gleichsetzen… In ganz Europa, im Nahen Osten und in Asien – und mehr in den Dörfern als in den Städten – erhoben sich neue Stimmen…die den Machtkult verspotteten, ihn für ungerecht, sinnlos und unmenschlich erklärten und eine neue Art von Werten verkündeten, die Antithese zu jenen, auf denen der Mythos der Megamaschine aufgebaut war …die gleiche Parteinahme für die Armen und Niedrigen, die bis dahin wehrlosen Opfer der Macht… Der Idealmensch war nun nicht mehr ein Held von außerordentlicher körperlicher Größe und Muskelkraft, wie Gilgamesch, Herakles oder Samson…Die neuen Propheten waren Männer von bescheidener, menschlicher Haltung. Sie führten das Leben auf den Maßstab des Dorfes und auf normale menschliche Dimensionen zurück… Diese sanftmütigen, zurückhaltenden, stillen, äußerlich demütigen Männer traten allein oder mit einer Handvoll ebenso demütiger Anhänger auf, unbewaffnet und ungeschützt. Sie bemühten sich nicht um die Unterstützung der Institutionen; im Gegenteil, sie wagten es, den Hochgestellten zu trotzen, sie zu verdammen, sogar ihren Untergang vorauszusagen…Noch unnachgiebiger als die Könige, wagten es die axialen Propheten, von gewohnten Bräuchen und Traditionen abzuweichen, nicht nur von denen der Zivilisation, sondern auch von den Sexualkulten mit ihren Orgien und Opferungen, die aus neolithischen Riten stammten. Ihnen war nichts heilig, was zu keinem höheren Leben führte; und unter höher verstanden sie: sowohl von materiellem Aufwand als auch von tierischen Trieben befreit. Gegen die personifizierte, korporative Macht des Königtums vertraten sie das genaue Gegenteil…Diese neuen Propheten schätzten die einfachen manuellen Berufe mehr als die hohen Ämter der Schreiber oder Staatsbeamten… Die neuen Persönlichkeiten wollten überzeugen, nicht befehlen; sie wollten nicht Herrscher, sondern Lehrer sein…Indem sie sich von den normalen Pflichten zurückzogen, fasteten und meditierten, hatten die neuen Führer in sich selbst die Möglichkeit einer neuen Lebensweise gefunden, die die früheren Wertmaßstäbe umstieß, selbst jene der archaischen Ackerbaugesellschaft mit ihrer Überbetonung der Sexualität und ihrer Beschränkung auf verwandtschaftliche und nachbarliche Beziehungen; doch noch nachdrücklicher wiesen sie die Normen der Zivilisation zurück… Indem die neue Lebensweise die Ziele wie die Mittel der »Zivilisation« diskreditierte, entzog sie dieser, mehr durch Verweigerung und Enthaltung als durch offenen Kampf gegen die herrschenden Klassen, menschliche Energie …Menschliches Leben, so verstanden, war nun nicht mehr billig, sondern unendlich kostbar“(Vgl. ebd., S. 295 – 299.))

4. Die Nehemia-Option 1

Der herrschenden, macht-orientierten, das Souveränitätsprinzip speisenden Religion der Himmelsgottheiten eine alternative, gemeinschaftsfördernde, das Subsidiaritätsprinzip nährende Religiosität entgegensetzen. Mumford verweist hier insbesondere auf das (nach)exilische Judentum.

Das Gebot der Sabbat- bzw. Sonntagsruhe (vgl. Laudato Si‘ Nr. 237) erscheint bei ihm als ein Mittel, der Megamaschine Energie zu entziehen.[7]Vgl. hierzu die Schilderung der wirtschaftliche Expansion und damit einhergehend Ressourcenverbrauch hemmenden Aspekte katholischer Frömmigkeit in Peter Hersche, Katholizismus – schon immer … Continue reading Die Synagoge beschreibt er als Raum einer religiös geprägten und auch intellektuell rührigen Parallelgesellschaft mit ihren eigenen, vom Leviathan abweichenden Ge- und Verboten und einem von der offiziellen Religion der Imperien abweichenden Religiosität. Hier bildeten sich Freiräume einer alternativen, subsidiär geprägten Lebensweise, der das Judentum bis in unsere Tage sein Überleben als distinkte Gemeinschaft verdankt.

„Da die grundlegende institutionelle Wandlung, die der Errichtung der Megamaschine voranging, magischen und religiösen Charakter hatte, ist es nicht verwunderlich, daß [sic] die wirksamste Reaktion gegen die Maschine ebenfalls aus jenen mächtigen Quellen kam. Eine solche Reaktion scheint mir die Einrichtung des Sabbath zu sein: Dies war ein Weg, die Megamaschine periodisch zum Stillstand zu bringen, indem man ihr die Arbeitskräfte entzog. Einmal in der Woche war die kleine intime Grundeinheit, die Familie und die Synagoge, an der Reihe; sie machten, im Effekt, die menschliche Komponente geltend, die der große Machtkomplex unterdrückte… und in der Zeit des babylonischen Exils verbanden sie den Sabbath mit einem zweiten Nebenprodukt dieser Episode, mit der Einrichtung der Synagoge. Diese organisatorische Einheit war frei von den Beschränkungen aller älteren Religionen, die an territoriale Götter, an eine ferne Priesterschaft und an eine Hauptstadt gebunden waren, da sie überallhin verpflanzt werden konnte; während der Führer einer solchen Gemeinschaft, der Rabbi, mehr Gelehrter und Richter als Priester und Diener einer königlichen oder städtischen Macht war. Wie die Dorfgemeinschaft beruhte die Synagoge auf einem Ich-und-Du-Verhältnis, auf direktem Kontakt; sie wurde nicht allein durch enge Nachbarschaft, nicht einfach durch ein gemeinsames Ritual und einen besonderen Tag für den Gottesdienst zusammengehalten, sondern ebenso sehr durch regelmäßige Instruktion und Diskussion in Fragen der Sitten, der Moral und der Gesetze. Diese letztgenannte intellektuelle Aufgabe, die sich in der Stadt entwickelte, hatte der Dorfkultur gefehlt“[8]Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 266 – 268. Und weiter: „Mit der Synagoge gewann die jüdische Gemeinschaft die Autonomie und die Fähigkeit der Selbsterneuerung wieder, die das … Continue reading

5. Die Nehemia-Option 2

Das Bemühen um kommunale Selbstverwaltung in Autonomie vom Leviathan.

„Die Stadt, obgleich zu Beginn selber ein königliches Großunternehmen, war nicht nur ein aktiver Rivale der Megamaschine, sondern auch, wie sich herausstellte, eine humanere und effektivere Alternative, besser geeignet, ökonomische Aufgaben zu organisieren und sich auf eine Vielzahl menschlicher Fähigkeiten zu stützen. Denn die große ökonomische Stärke der Stadt lag nicht in der Mechanisierung der Produktion, sondern in der Vereinigung der größtmöglichen Vielfalt von Berufen, Begabungen und Interessen. Anstatt menschliche Verschiedenheiten zu nivellieren und menschliche Reaktionen zu normieren, um eine wirksame Leistung der Megamaschine als geschlossene Einheit zu erzielen, anerkannte und betonte die Stadt die Unterschiede.“ [9]Ebd., S. 265f. Und weiter: „Durch ständigen Kontakt und ständige Zusammenarbeit waren die führenden Männer und die Bürger der Stadt imstande, sogar ihre Konflikte dazu auszunützen, … Continue reading

6. Die Makkabäer-Option

Gewaltsamer Widerstand.[10]Vgl. ebd., S. 263f.

„Der Zusammenbruch des Pyramidenzeitalters hat bewiesen, daß [sic] die Megamaschine auf menschlichem Glauben basiert, der zerbröckeln kann, auf menschlichen Entscheidungen, die sich als fehlerhaft erweisen können, und auf menschlicher Zustimmung, die, wenn der Zauber diskreditiert ist, versagt werden kann.“[11]Ebd., S. 264.

Trotz dieses sozusagen historischen Gegenbeweises gilt dennoch, so Mumford: „Der einzige bleibende Beitrag der Megamaschine war der Mythos der Maschine: der Glaube, daß [sic] diese Maschine von Natur aus unbezwingbar sei – und doch, vorausgesetzt, daß [sic] man sich ihr nicht widersetzte, letztlich segensreich.“[12]Ebd., S. 258. – also vor dem Hintergrund des zuletzt Gesagten ein letztlich irrationaler Glaube.

Widerstand gegen den Leviathan

Bei der Betrachtung der verschiedenen Optionen des Widerstands gegen die Megamaschine/den Leviathan ergeben sich deutliche Parallelen zu einer sozialökologischen Transformation nach Andrew Willard Jones.

Die Amos-Option entspricht den Ansätzen (eigener) Tugendübung, der „Aufklärung und Information“ sowie dem selbsterklärten Anliegen von New Polity „to become a stable center for postliberal ideas to be proposed, debated, corrected, and developed in an environment of academic seriousness – and free from the constraints and ideological pressures of the modern university system.“

Die Nehemia-Option 1 entspricht dem von Jones hervorgehobenen sakramentalen Leben der Pfarrei, aber auch dem gemeinsamen Beraten und Beschließen zur Identifizierung, Vertiefung und Ausweitung von Strukturen der Freundschaft, in diesem Fall auf der Ebene der lokalen religiösen Gemeinschaft.

Die Nehemia-Option 2 hebt diesen letzteren Punkt auf die Ebene der Kommune und entspricht von der Grundidee MacIntyres lokalen gemeinwohlorientierten Initiativen als Motoren einer sozialökologischen Transformation, wie sie bereits verwirklicht werden von den Mitmach Regionen oder der Transition Town-Bewegung.

Exodus- und Makkabäer-Option finden sich bei Jones nicht, ja man kann dessen entschiedenes Argumentieren gegen die zelotischen Neointegralisten à la Adrian Vermeule durchaus auch als Votum gegen letztere Option auffassen.[13]Vgl. Andrew Willard Jones, The Church against the State – On Subsidiarity and Sovereignty, newpolity.com/press Steubenville, Ohio USA 2025, S. 193 – 262.

Die verschiedenen von Mumford beschriebenen Optionen lassen sich dabei durchaus auch als eine historische Abfolge verschiedener Stadien beschreiben:

Das Auftreten prophetischer Einzelpersönlichkeiten und kleinerer Gruppen, die eine ethisch-spirituelle Umkehr lebten und predigten (Amos-Option) gipfelt in der sozialen Organisation in Form religiöser Gemeinwesen (Nehemia 1), die schließlich kommunale Autonomie erlangen (Nehemia 2) und diese dann auch gewaltsam gegen den Zugriff des Leviathans zu verteidigen suchen (Makkabäer-Option), darin aber letztlich (70 n. Chr.) scheitern.

References

References
↑1Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine – Kultur, Technik und Macht, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1978, S. 218, 240 – 243
↑2Vgl. ebd., S. 212 – 214, unter anderem S. 214: „Die Güte des Herrschers, die in ägyptischen Schriften betont wird, geht einher mit seiner ausgesprochenen Fähigkeit, Schrecken zu verbreiten und Tod zu bringen. Doch die Erinnerung an die Attribute der Dorfgemeinschaft, die im frühen Königtum noch erhalten waren, wog vielleicht teilweise die täglichen Erfahrungen persönlicher Launen und kollektiver Härte auf. Allzu oft identifizierten sich, wie die Dokumente zeigen, die Beamten, die die Anordnungen des Königs ausführten, mit der Quelle der Autorität und übertrieben die königliche Arroganz, ohne sie durch königliche Gnade zu kompensieren.“ Der bronzezeitliche Leviathan versuchte also demnach genau das, was nach Alasdair MacIntyre das politische Programm des Kommunitarismus ist, vgl. Alasdair MacIntyre, Dependent Rational Animals – Why Human Beings Need the Virtues, Duckworth London 2009, S. 142.
↑3Vgl. ebd., S. 294f.
↑4Vgl. ebd., S. 263: „Von frühesten Zeiten an gibt es Hinweise auf Empörung, Widerstand, Ausweichen, Flucht: All das findet man in der klassischen Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten.“
↑5Ebd., S. 269.
↑6Vgl. ebd., S. 263.
↑7Vgl. hierzu die Schilderung der wirtschaftliche Expansion und damit einhergehend Ressourcenverbrauch hemmenden Aspekte katholischer Frömmigkeit in Peter Hersche, Katholizismus – schon immer nachhaltiger? Eine historische Spurensuche, oekom Verlag München 2023.
↑8Vgl. Lewis Mumford, Der Mythos der Maschine, S. 266 – 268. Und weiter: „Mit der Synagoge gewann die jüdische Gemeinschaft die Autonomie und die Fähigkeit der Selbsterneuerung wieder, die das Dorf durch das Wachstum größerer politischer Organisationen verloren hatte. Diese Tatsache erklärt nicht nur das wunderbare Überleben der Juden durch endlose Jahrhunderte der Verfolgung, sondern auch ihre weltweite Verbreitung. Noch bedeutsamer ist, daß [sic] sie zeigt, wie diese kleine Organisation, obwohl ebenso unbewaffnet und der Unterdrückung preisgegeben wie das Dorf, sich als aktiver Kern einer selbständigen Geisteskultur fünfundzwanzig Jahrhunderte lang halten konnte, während alle größeren, nur auf Macht gestützten Organisationen zerfielen. Die Synagoge besaß eine innere Kraft und Beharrlichkeit, an denen es hochorganisierten Staaten und Reichen, bei all ihren vorübergehend wirksamen Zwangsmitteln, stets gebrach… Kleine, scheinbar hilflose Gemeinschaften, die einen inneren Zusammenhalt besitzen und wissen, was sie wollen, haben sich auf lange Sicht viel wirksamer gegen willkürliche Macht zu wehren verstanden als die stärksten militärischen Einheiten – und sei es auch nur, weil es so schwer ist, sie festzunageln und zur Konfrontation zu zwingen. Dies erklärt die Bemühungen souveräner Staaten aller Zeiten, solche Organisationen einzuschränken und zu unterdrücken, ob es sich nun um religiöse Sekten, Quäker, Kirchen, Gilden, Universitäten oder Gewerkschaften handelt. Und seinerseits zeigt dieser Antagonismus den Weg, auf dem die moderne Megamaschine in Zukunft gezügelt und einem bestimmten Maß nationaler Einflüsse und demokratischer Kontrolle unterworfen werden könnte.“ Nehemia-Option, in loser Anknüpfung an die forcierte Durchsetzung des Sabbatgebots am Ende dieses biblischen Buches.
↑9Ebd., S. 265f. Und weiter: „Durch ständigen Kontakt und ständige Zusammenarbeit waren die führenden Männer und die Bürger der Stadt imstande, sogar ihre Konflikte dazu auszunützen, potentielle menschliche Fähigkeiten hervorzulocken, die durch Reglementierung und soziale Konformität unterdrückt worden wären. Die Kooperation in der Stadt, auf der Basis freiwilligen Austauschs, war im ganzen Verlauf der Geschichte eine ernsthafte Konkurrenz der mechanischen Reglementierung und hat diese tatsächlich häufig verdrängt. Gewiß [sic], die Stadt konnte sich niemals völlig den Zwängen der Megamaschine entziehen; wie hätte sie dies auch tun können, da doch die Zitadelle, Ausdruck der Verschmelzung von geistlicher und weltlicher Macht, das Zentrum beherrschte, als sichtbares Zeichen der unentrinnbaren Gegenwart des Königs? Doch das Leben der Stadt zog den vielstimmigen Dialog zwischen den Menschen dem eintönigen Monolog der Königsmacht vor, wenngleich diese wertvollen Attribute des Stadtlebens sicher nicht in den ursprünglichen Absichten des Königs gelegen waren und häufig unterdrückt wurden. Ähnlich ermunterte die Stadt auch die Bildung von kleinen Gruppen und Verbindungen auf der Basis von Nachbarschaft und Beruf, deren bedrohliche Unabhängigkeit die souveräne Autorität stets mit Argwohn betrachtete. Die Tatsache bleibt bestehen, daß [sic], wie Leo Oppenheim hervorhob, in Mesopotamien, wenn nicht in Ägypten, nur die Stadt genügend Kraft und Selbstachtung besaß, um die Staatsorganisation herauszufordern. »Eine kleine Anzahl alter und bedeutender Städte genoß [sic] Privilegien und Ausnahmerechte in bezug auf den König und dessen Macht… Im allgemeinen forderten die Einwohner der Freien Städte, je nach der politischen Lage mit mehr oder weniger Erfolg, Befreiung von Fronarbeit, Befreiung vom Militärdienst . . . sowie Steuerfreiheit.« Oder, um die von mir eingeführte Terminologie zu verwenden: Diese alten Städte forderten ein hohes Maß an Befreiung von der Megamaschine.“
↑10Vgl. ebd., S. 263f.
↑11Ebd., S. 264.
↑12Ebd., S. 258.
↑13Vgl. Andrew Willard Jones, The Church against the State – On Subsidiarity and Sovereignty, newpolity.com/press Steubenville, Ohio USA 2025, S. 193 – 262.